Meinung

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Von hinten erschossen – Notwehr!

Freitag, April 30th, 2010

Heute vor einem Jahr geschah der Fall des Tennessee Eisenberg. Dieser junge Mann wurde in Deutschland von zwei Polizisten in Notwehr erschossen. So jedenfalls behaupten es die Polizisten. Diese Variante der Wahrheit wird jedoch zunehmend unwahrscheinlicher.

Spiegel Online berichtet heute:

Aus einem Polizeivideo, auf dem der nachgestellte Einsatz aufgezeichnet ist, ergeben sich jedoch ganz andere Indizien. So wurden die ersten drei Schüsse von hinten auf Eisenberg abgegeben. In dem Filmabschnitt erklären ein Gutachter des Landeskriminalamts und ein Schussexperte übereinstimmend, dass der Student in diesem Moment nicht, wie Zeugen angaben, mit dem Messer vor einem in die Ecke gedrängten Kollegen stand, sondern offenbar die Treppe wieder hinaufgehen wollte.

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,692300,00.html

Der Fairness halber muss ich feststellen, dass eine Auswertung dieser Situation im nachhinein sicher sehr schwer ist. Die o.g. Sachverständigen könnten sich also auch irren oder die Fakten “falsch” interpretiert haben. Mag alles sein - aber gefühltermaßen scheint bei diesem Fall doch etwas mehr im Argen zu sein. “Wo Rauch ist ist auch Feuer” schrieb ich damals in meinem Blog und ein gutes Jahr später sehe ich den Rauch immer noch. Es stehen immer noch Anschuldigungen im Raum, die von der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend entkräftet wurden.

Statement der Staatsanwaltschaft: Pressemitteilung vom 21.12.2009 zur Tötung von Tennessee Eisenberg am 30.04.2009 in Regensburg durch Polizeibeamte

Die bayerische Justiz wäre aus meiner Sicht gut beraten, diesen Fall noch einmal sauber aufzurollen. Es bleibt sonst der üble Beigeschmack, dass hier etwas Schlimmes heruntergespielt oder gar vertuscht werden soll.

Quo vadis Südafrika

Sonntag, April 25th, 2010

Kürzlich waren vier Menschen aus meiner Familie im Süden Afrikas, genau genommen in Namibia. Alle tourten durchs Land, machten ihre Erfahrungen mit der Kultur und kamen wohlbehalten nach Hause. Soweit sogut, die Geschichte könnte damit vorbei sein.

Besonders erwähnenswert ist jedoch, dass alle vier einstimmig von den Sorgen der “weißen Farmer” berichteten. Diese Menschen fürchten den Tag, an dem der Südafrikas Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela den Löffel abgibt.

Dazu muss man wissen: In Südafrika, Namibia usw. ist die Bevölkerung immer noch recht stark in Stammesstrukturen aufgeteilt (allein Namibia: ca. 15 Stämme). Jeder Stamm hat natürlich seinen Häuptling… und natürlich mögen sich nicht alle Häuptlinge. Da sich die Stammesgrenzen nicht mit den Staatsgrenzen decken, führt Gewalt zwischen Stämmen leicht zu Gewalt zwischen den Staaten – soviel zum Hintergrund.

Woher nun also die Angst “der Weißen”? Ein Teil der Menschen dort unten glaubt offenbar, dass viele Stämme sich nur deshalb nicht untereinander bekämpfen, weil die Häuptlinge aus Respekt vor Nelson Mandela “die Füße still halten”. Sobald der alte Mann jedoch das zeitliche gesegnet haben wird, könnte sich das ändern.

So ganz unwahrscheinlich ist dies nicht, denn Fakt ist: Der ANC hat sich weit von Mandels Vision für Südafrika entfernt, der Mord an Eugene Terreblance ließ Rassenunruhen befürchten und nötigte Präsident Zuma einen Aufruf zur Nationalen Einheit ab und Julius Malema, einer der höchsten politischen Nachwuchskräfte Afrikas profiliert sich mit Beschimpfungen gegen BBC-Journalisten.  

Was bleibt? Es bleibt zu hoffen, dass sich die weißen Farmer geirrt haben und meine Familienleute nur auf Stereotypen hereingefallen sind – oder das zivilisatorische Errungenschaften wie die Fußball-WM 2010 ;-) einen Wandel im Süden Afrikas bewirken.

Best of Star Trek Singing

Sonntag, März 14th, 2010

Star Trek ist ein Universium voller Geschichten über Phaserlaser, Wurmlochwesen und Klingonenkrieger. Die musikalische Seite der zahlreichen Serien und Spielfilme bleibt dagegen oft verkannt – doch damit ist nun Schluß. Hier ist sie also…

Die Top 10 der Star Trek Gesangseinlagen:

 
Platz 1 geht an den Doktor der Voyager mit seiner Vorführung von La Donna É Mobile. Insbesondere die gelungene Improvisation ab der 2. Minute überragt alle anderen Beiträge bei weitem. Zitat: “Paris please find a way… to load a Hypospray”. Da capo!

Die Top Ten der besten Gesangsstücke in Star Trek:
http://ditze.net/best-of-star-trek-singing/

Krebs statt Hummer

Freitag, Januar 8th, 2010

am_rande_smallWelch’ seltsame Wege das Leben so geht. Kürzlich berichtete ich von meinem Freund Peter mit seinem Hummer, heute schreibe ich von einer guten Freundin mit Krebs.

Ich, sterblich? Niemals!

Krebs! Kaum zu glauben, aber als Mensch in den 30′igern habe ich dieses Thema für mich und mein Umfeld nicht auf dem Schirm gehabt. Als Ehemann, Vater und Unternehmer hat man schließlich auch so genug zu tun… umso härter dann der Schock ob der harten Realität.

Bewundernswert: Madame behielt bisher die Nerven und schrieb sogar noch… denkt ein bisschen an mich, aber noch mehr an euch. was ich jetzt schon gelernt habe: genießt alles, schätzt alles, und keine sorge, ALLES WIRD GUT, die chancen meine krebsart zu besiegen stehen gar nicht so schlecht.”

Krebs ist unfair!

Jeder kennt diese Statistiken, wonach man gutes und gesundes Leben in Müslipackungen, Fruchtsäfte und Sport “umrechnen” kann. Sicher stimmt das auch irgendwie, nur eben nicht in diesem Fall. Meine Patientin hat kein Gramm Übergewicht, kennt Rauchen nur aus der Fernsehwerbung, trinkt mehr grünen Tee als ich Schnitzel esse und hält sich sogar körperlich fitt. Würde man bei ihr nach Leichen im Keller suchen, fiele mir dazu nur ein, dass sie vor 15 Jahren nachts nach einer Diskofete mal über eine rote Ampel fahren wollte. Es wundert mich kaum, dass sie hierzu nun klare Worte fand: “Mein rat: rauche, trinke, iss fleisch. Und mit trinken meine ich keinen grünen tee…”

Was bleibt?

In den nächsten Wochen steht die – offenbar normale – Ochsentour durch die Medizintechnik an. Chemo, Bestrahlung, Hoffen & Beten. Und dann? Ein solches Erlebnis drückt man nicht so bald weg, weder als Betroffener noch als besorgter Mensch im Umfeld. Es bleiben Fragen: Was ist wirklich wichtig? Was wäre, wenn ich morgen nicht mehr wäre? Warum am Leben hängen statt es einfach nur zu genießen? Warum machen wir uns das Leben oft selbst schwer? usw.

Ich werde in der nächsten Zeit “da” sein, werde Anteil nehmen, darüber nachdenken und vielleicht auch dazu bloggen. Und wem etwas zum Thema einfällt, der darf es mir auch gerne schreiben.

Den Staat vom Leib halten

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

gerhart-baumUm 20.15 Uhr lief heute in der Tagesschau ein Bericht über die Klage von ca. 34.000 Bundesbürgern gegen die Vorratsdatenspeicherung. In dem Beitrag kam auch ein gewisser Gerhart Baum zur Sprache, der in wenigen Worten zusammenfasste, was ich so kaum für möglich gehalten hätte.

Zur besten Sendezeit sagte er wörtlich: [Die Vorratsdatenspeicherung] “ist ein schwerer Grundrechtseingriff in unsere Privatheit. Wir haben keinerlei Anlass gegeben das der Staat unsere Daten sammelt. Wir müssen in diesem Land in der Lage sein, uns den Staat vom Leib zu halten, wenn wir uns ordnungsgemäß verhalten.

Jawohl, recht hat der Mann! Anstatt den Staat für alles und jedes persönliche Ungemach verantwortlich zu machen, sollte unser Anspruch genau in die andere Richtung gehen. Jeder Mensch möge sich so entfalten wie es ihm deucht – und nur wo es unbedingt geboten ist, sollte der Staat eingreifen. Unser Land braucht mehr Gerhart Baums, gerne auch noch stärker in der Öffentlichkeit. Wenn schon nicht im Fernsehen, dann wenigstens hier im Blog.

An dieser Stelle noch einen schönen Gruß an Stepro von Wikipedia.de. Stepro hat es geschafft, den o.g. Quote innerhalb von 2 Minuten zu löschen mit der Bemerkung “keine ausreichende Quellenangabe, nix tagesaktuelles einfügen”. Na, dann warten wir doch einfach noch ein paar Jahre ab, bis das Zitat gut abgehangen ist. Oder sollte ich stattdessen besser sagen: “wir müssen in diesem Wikipedia in der Lage sein, uns die Admins vom Hals zu halten, wenn wir ordnungsgemäß posten?” ;-)

Andi zwitschert

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

press-birdGlaubt man dem Internet, ist Twitter bereits 3,5 Jahre alt. Anfangs kam es mir nur wie ein Hype unter vielen vor, heute sehe ich das anders (besser spät als nie).

Mich überzeugte: Die Ankündigung von Google und Bing, die Twitter-Tweets in den Suchindex aufzunehmen, war für mich der entscheidende Impuls. Mit der Integration von Twitter in beiden Suchmaschinen wird sich der Verbreitungsgrad der Tweets enorm erhöhen – und völlig neue Anwendungen wie bspw. die Real-Time-Search möglich machen.

Ein Auge lacht, ein Auge weint: Obwohl ich das Potenzial der Tweets erkenne, schreckt mich die arg kryptische Schreibweise der Twitterer schon etwas ab. Hoffentlich färbt das nicht aufs echte Leben ab ;-)

Also dann: follow_me@twitter.com/andreaswditze

Bloggen für den Wandkalender

Sonntag, November 29th, 2009

kalender2010_twitterDie Jungs und Mädels von druckerei.de waren kreativ und haben eine interessante Aktion gestartet: Jeder, der auf ihre Website per Blogeintrag verlinkt, bekommt einen Wandkalender für das Jahr 2010 geschenkt. Soweit sogut.

Nun ist mein persönlicher Bedarf nach Wandkalendern einigermaßen überschaubar, aber die Aktion “an sich” hat sich meine Unterstützung verdient. Immerhin ist es doch ein recht effizienter Weg, sich Backlinks ohne großes SEO+Linkbuilding einzukaufen – das Ranking bei Google dürfte wohl recht fix in ungeahnte Höhen steigen.

Also dann, liebe druckerei.de: Ich verlinke euch – schenkt mir einen Wandkalender :-)
http://blog.druckerei.de/zwitschern-fuer-den-wandkalender-2010/

D-A-CH wird D-O-OF

Sonntag, November 22nd, 2009

Treibt Sie auch die Sorge von der Umkehr des Flynn-Effekts um? Wohl kaum – und dennoch kennen Sie das Problem.

Der Flynn-Effekt besagt, dass bis Ende der 1990er Jahre der durchschnittlich ermittelte IQ in den westlichen Industrienationen gestiegen ist. Soweit so gut. Leider ist aber auch die Umkehr dieses Effekts zu beobachten, denn seit gut 10 Jahren sinkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz der durchschnittliche IQ. Schlimm (und für mich neu) daran ist, dass dieses Absinken mittlerweile wissenschaftlich Belegbar ist. Neben den bekannten PISA-Studien gibt es also weitere psychologische Erhebungen, die augenscheinlich belegen: wir verdoofen!

Der Fairness halber sei erwähnt, dass Flynn nicht frei von Kritik ist. Trotzdem mag ich nicht von der Hand weisen, diesen “Effekt” im echten Leben schon beobachtet zu haben.
Tipp: Wer sich des Themas weiter annehmen will ohne zu viel lesen zu müssen, der mag sich das Hörbuch zur Generation Doof anschaffen. Das (Hör)buch polarisiert die Verdoofung in Deutschland und regt zum selber-nachdenken an.

Das Problem der globalen Verdoofung wird übrigens auch auf der anderen Seite des Großen Teichs wahrgenommen. In den USA hat der beinharte Superheld Client Eastwood kürzlich festgestellt: “[We're] becoming more juvenile as a nation. The guys who won World War II and that whole generation have disappeared, and now we have a bunch of teenage twits.”
Frei übersetzt: “Wir werden als Nation immer kindischer. Die Typen, die den 2. Weltkrieg gewonnen haben, sind verschwunden. Jetzt haben wir nur noch einen Haufen Teenager-Trottel.”

Und Sie machen sich immer noch keine Sorgen?

Anton braucht Hilfe

Donnerstag, November 19th, 2009

button_enVor ein paar Tagen erreichte mich eine Nachricht von Anton Mangstl aus Italien. Dr. Mangstl ist dort Direktor der Knowledge Exchange and Capacity Building Division bei der FAO – gemeinhin auch als Welternährungsorganisation bekannt.

Diese Organisation hat eine neue Online-Petition gegen den weltweiten Hunger auf den Weg gebracht und sucht nach Unterstützern. Da ich Anton Mangstls Divison und deren gute Arbeit aus erste Hand kenne, nehmen ich seinen Appell gerne auch in dieses Blog auf.

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Dear Colleagues,

Over one billion people live in chronic hunger… Every six seconds,  a child dies of hunger…

By signing a new on-line petition to eradicate world hunger at www.1billionhungry.org,  you can actively lend your voice to a growing global movement,  and send a powerful message to world leaders: that it is unacceptable that one billion people live in chronic hunger, and changing this reality should be our top priority.

We would greatly appreciate it if you could help to widely promote this cause.   Here are some of the many ways that you can assist:

Thank you in advance for your active participation in promoting this cause!

Best regards,
Dr. Anton Mangstl
Director, Knowledge Exchange and Capacity Building Division
Knowledge and Communication Department
FAO of the United Nations – Rome (Italy)

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Meine Meinung: Anton verdient unsere Unterstützung! Auf geht’s zur Petition.

Sauereien im September

Montag, Oktober 12th, 2009

Im September 2009 stand nicht nur die Bundestagswahl an. Leider standen auch einige Sauereien auf dem Programm, die ich hier zur Erinnerung benennen möchte. In Summe muss man sagen, dass der September ein Trauerspiel für die Gesellschaft in Deutschland war:

1. Kleines Mädchen in der Kanalisation zum Sterben eingesperrt

Im nordrhein-westfälischen Velbert-Neviges wurde die neunjährige Kassandra in einen Regenkanalschacht geworfen, mit Steinen überdeckt und dann dort liegengelassen. Anschließend wurde der Kanaldeckel wieder zugezogen, der Tod des kleinen Mädchens billigend in Kauf genommen. Ein Spürhund fand die Kleine noch rechtzeitig, die Folgen der Tat sind noch lange nicht absehbar. [Mehr lesen]

2. Totgetreten, weil er half!

Der Unternehmer Dominik Brunner, kaufmännischer Chef der Erlus AG, beschützte in einer Münchner S-Bahn vier Teenies (13-15 Jahre) vor zwei randalierenden Jugendlichen (17-18 Jahre). Erst rufte er per Handy die Polizei, dann schritt er gegen die Gewalt der Jugendlichen ein. Das erschütternde Ergebnis: 20 unbeteiligte Bahnfahrer schauen dabei zu, wie Dominik Brunner von den drei Randalierern zu Tode geprügelt wird! Ich erspare mir den Zeigefinger, ich war nicht dabei und hinterher hat man ja immer “gut Reden”. Aber das alle(!) Erwachsenen wegsehen, während ein paar Meter neben ihnen jemand hingerichtet wird, wirft ein erschreckendes Bild auf unsere Gesellschaft. Buchstäblich jeder kann jetzt der nächste sein – morgens, mittags, abends, in der Rushhour, in der Innenstadt, überall. Sollte das die Konsequenz des Nicht-Handels sein? Handeln tut not!

3. Polizisten beim Prügeln erwischt

Unter dem Stichwort “Prügelorgie der Berliner Polizei” tauchten im September mehrere Videos im Internet auf. Die Filme zeigen übergriffe der Ordnungshüter auf offensichtlich “harmlose” Demonstranten während der Freiheit-statt-Angst-Demonstration gegen den ausufernden Überwachungsstaat. Ironie des Schicksals: Permanent fordert unser Bundesinnenminister, das Volk noch schärfer per Video bei all den täglichen Straftaten überwachen zu dürfen – und nun gerät die Staatsmacht ausgerechnet wegen eines Videos unter Druck. Bleibt nur zu hoffen, dass der Staatsanwalt sich nicht vom Justizministerium einschüchtern lässt…