Gesellschaft

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Den Staat vom Leib halten

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

gerhart-baumUm 20.15 Uhr lief heute in der Tagesschau ein Bericht über die Klage von ca. 34.000 Bundesbürgern gegen die Vorratsdatenspeicherung. In dem Beitrag kam auch ein gewisser Gerhart Baum zur Sprache, der in wenigen Worten zusammenfasste, was ich so kaum für möglich gehalten hätte.

Zur besten Sendezeit sagte er wörtlich: [Die Vorratsdatenspeicherung] “ist ein schwerer Grundrechtseingriff in unsere Privatheit. Wir haben keinerlei Anlass gegeben das der Staat unsere Daten sammelt. Wir müssen in diesem Land in der Lage sein, uns den Staat vom Leib zu halten, wenn wir uns ordnungsgemäß verhalten.

Jawohl, recht hat der Mann! Anstatt den Staat für alles und jedes persönliche Ungemach verantwortlich zu machen, sollte unser Anspruch genau in die andere Richtung gehen. Jeder Mensch möge sich so entfalten wie es ihm deucht – und nur wo es unbedingt geboten ist, sollte der Staat eingreifen. Unser Land braucht mehr Gerhart Baums, gerne auch noch stärker in der Öffentlichkeit. Wenn schon nicht im Fernsehen, dann wenigstens hier im Blog.

An dieser Stelle noch einen schönen Gruß an Stepro von Wikipedia.de. Stepro hat es geschafft, den o.g. Quote innerhalb von 2 Minuten zu löschen mit der Bemerkung “keine ausreichende Quellenangabe, nix tagesaktuelles einfügen”. Na, dann warten wir doch einfach noch ein paar Jahre ab, bis das Zitat gut abgehangen ist. Oder sollte ich stattdessen besser sagen: “wir müssen in diesem Wikipedia in der Lage sein, uns die Admins vom Hals zu halten, wenn wir ordnungsgemäß posten?” ;-)

D-A-CH wird D-O-OF

Sonntag, November 22nd, 2009

Treibt Sie auch die Sorge von der Umkehr des Flynn-Effekts um? Wohl kaum – und dennoch kennen Sie das Problem.

Der Flynn-Effekt besagt, dass bis Ende der 1990er Jahre der durchschnittlich ermittelte IQ in den westlichen Industrienationen gestiegen ist. Soweit so gut. Leider ist aber auch die Umkehr dieses Effekts zu beobachten, denn seit gut 10 Jahren sinkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz der durchschnittliche IQ. Schlimm (und für mich neu) daran ist, dass dieses Absinken mittlerweile wissenschaftlich Belegbar ist. Neben den bekannten PISA-Studien gibt es also weitere psychologische Erhebungen, die augenscheinlich belegen: wir verdoofen!

Der Fairness halber sei erwähnt, dass Flynn nicht frei von Kritik ist. Trotzdem mag ich nicht von der Hand weisen, diesen “Effekt” im echten Leben schon beobachtet zu haben.
Tipp: Wer sich des Themas weiter annehmen will ohne zu viel lesen zu müssen, der mag sich das Hörbuch zur Generation Doof anschaffen. Das (Hör)buch polarisiert die Verdoofung in Deutschland und regt zum selber-nachdenken an.

Das Problem der globalen Verdoofung wird übrigens auch auf der anderen Seite des Großen Teichs wahrgenommen. In den USA hat der beinharte Superheld Client Eastwood kürzlich festgestellt: “[We're] becoming more juvenile as a nation. The guys who won World War II and that whole generation have disappeared, and now we have a bunch of teenage twits.”
Frei übersetzt: “Wir werden als Nation immer kindischer. Die Typen, die den 2. Weltkrieg gewonnen haben, sind verschwunden. Jetzt haben wir nur noch einen Haufen Teenager-Trottel.”

Und Sie machen sich immer noch keine Sorgen?

Sauereien im September

Montag, Oktober 12th, 2009

Im September 2009 stand nicht nur die Bundestagswahl an. Leider standen auch einige Sauereien auf dem Programm, die ich hier zur Erinnerung benennen möchte. In Summe muss man sagen, dass der September ein Trauerspiel für die Gesellschaft in Deutschland war:

1. Kleines Mädchen in der Kanalisation zum Sterben eingesperrt

Im nordrhein-westfälischen Velbert-Neviges wurde die neunjährige Kassandra in einen Regenkanalschacht geworfen, mit Steinen überdeckt und dann dort liegengelassen. Anschließend wurde der Kanaldeckel wieder zugezogen, der Tod des kleinen Mädchens billigend in Kauf genommen. Ein Spürhund fand die Kleine noch rechtzeitig, die Folgen der Tat sind noch lange nicht absehbar. [Mehr lesen]

2. Totgetreten, weil er half!

Der Unternehmer Dominik Brunner, kaufmännischer Chef der Erlus AG, beschützte in einer Münchner S-Bahn vier Teenies (13-15 Jahre) vor zwei randalierenden Jugendlichen (17-18 Jahre). Erst rufte er per Handy die Polizei, dann schritt er gegen die Gewalt der Jugendlichen ein. Das erschütternde Ergebnis: 20 unbeteiligte Bahnfahrer schauen dabei zu, wie Dominik Brunner von den drei Randalierern zu Tode geprügelt wird! Ich erspare mir den Zeigefinger, ich war nicht dabei und hinterher hat man ja immer “gut Reden”. Aber das alle(!) Erwachsenen wegsehen, während ein paar Meter neben ihnen jemand hingerichtet wird, wirft ein erschreckendes Bild auf unsere Gesellschaft. Buchstäblich jeder kann jetzt der nächste sein – morgens, mittags, abends, in der Rushhour, in der Innenstadt, überall. Sollte das die Konsequenz des Nicht-Handels sein? Handeln tut not!

3. Polizisten beim Prügeln erwischt

Unter dem Stichwort “Prügelorgie der Berliner Polizei” tauchten im September mehrere Videos im Internet auf. Die Filme zeigen übergriffe der Ordnungshüter auf offensichtlich “harmlose” Demonstranten während der Freiheit-statt-Angst-Demonstration gegen den ausufernden Überwachungsstaat. Ironie des Schicksals: Permanent fordert unser Bundesinnenminister, das Volk noch schärfer per Video bei all den täglichen Straftaten überwachen zu dürfen – und nun gerät die Staatsmacht ausgerechnet wegen eines Videos unter Druck. Bleibt nur zu hoffen, dass der Staatsanwalt sich nicht vom Justizministerium einschüchtern lässt…

Leichte Sprache

Mittwoch, Oktober 7th, 2009
27. September 2009, Bundestagswahl. Keine Frage, als guter Staatsbürger komme ich natürlich meiner Pflicht zur Wahl des Bundestags nach. Und damit ich auch die für mich richtigen Interessenvertreter wähle, informiere ich mich natürlich über die Programme der Parteien. Und dabei gab’s eine faustdicke Überraschung.

Leichte Sprache! SPD, Grüne und die FDP präsentierten ihr Programm in Leichter Sprache. Zuerst stieß ich bei der FDP auf diesen “Wahl”-Comic… und tatsächlich hielt ich das Dokument zuerst für einen Fake. Für das Resultat eines Hackerangriffs, für einen schlechten Scherz, eine gefloppte Marketingaktion. Erst als ich bei den anderen beiden Parteien ebenfalls mit Leichter Sprache konfrontiert wurde, dämmert mir so langsam, dass das ernst gemeint war.

Hier ein paar Auszüge in Leichter Sprache:
  • “Das sind die wichtigsten Dinge aus dem Wahl-Programm in Leichter Sprache. Aber nur das Original-Wahlprogramm ist wirklich gültig.” [Die Grünen]
  • “Bio bedeutet: Das ist gesundes Essen. Das Gemüse und Obst wächst ganz natürlich. Ohne ungesunde Mittel, damit Äpfel besser aussehen. Oder Erdbeeren größer werden. Oder nicht so viel Unkraut zwischen dem Gemüse wächst” [Die Grünen]
  • “Wir wollen andere Wege in der Wirtschaft: Die Wirtschaft soll auch an die Zukunft denken. Wir wollen klare Regeln für die Wirtschaft. Die Chefs sollen nicht mehr so viel Geld bekommen. Und die Betriebe und Banken müssen sich auch um die Menschen kümmern. Wir wollen auch mehr Arbeits-Plätze in kleinen Betrieben und Firmen.” [SPD]
  • “Das ist Deutschland. Deutschland hat kein Gold, keine Diamenten und kein Erdöl.” [FDP]
  • “Viele Länder mögen sich nicht. Manche führen sogar Krieg. Wir wollen, dass sie damit aufhören.” [FDP]

Meine Meinung: Nirgends wird so viel gelogen wie im Krieg, der Liebe und dem Wahlkampf. So gesehen haben die platten Aussagen ja durchaus einen gewissen Charme. Unbestritten ist auch, dass die deutsche Sprache nicht leicht ist und das Leichte Sprache für einige Menschen notwendig ist, damit sie überhaupt am politischen Diskurs teilnehmen können. Trotzdem bleibt hier ein Beigeschmack. Wenn Leichte Sprache in Zukunft die Messlatte für Wahlkampf wird (falls sie es nicht schon ist?!), wird mir Angst und Bang. Sollten in der Zukunft wirklich Wahlen mit Aussagen vom Kaliber “Bio bedeutet gesund” gewonnen werden können?

Im Bundestagswahlkamp 2009 total angesagt: Leichte Sprache

Im Bundestagswahlkamp 2009 total angesagt: Leichte Sprache

Ein  Schmankerl noch am Rande. Die FDP kündigte ihr Wahlprogramm in Leichter Sprache so an: “Behindertengerecht – das FDP-Programm in Bildern”. Ob das das Bild der FDP von Menschen mit Behinderung ist? Honi soit qui mal y pense… achja, einen Screenshot vom 27.09.09 hatte ich zufällig noch zur Hand – zum Vergrößern einfach das Bild anklicken.

Mehr Leichte Sprache:

Doris Kruse ist doof?!

Dienstag, August 18th, 2009

wdr_monitorKennen Sie Doris Kruse? Wohl kaum, denn eigentlich ist sie ein Noname. Doris ist Mutter einer Tochter, hat über zehn Jahre in verschiedenen Jobs gearbeitet… und seit Neuestem ist sie geistig behindert. Zumindest sagt das die Agentur für Arbeit. Eigentlich ist die Geschichte jetzt vorbei, Doris ist doof und Doris ist nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Soweit sogut.

Dummerweise kam die Geschichte aber der Redaktion von Monitor zu Ohren. Monitor recherchierte, machte einen hübschen TV-Beitrag und der Zuschauer rieb sich verwundert die Augen: Doris Kruse gab ein ganz normales Interview, sie wirkte nicht verrückt, die Nachbarn sprachen gut über sie und auch ihre Tochter schien irgendwie “normal”.

Vielleicht war die Agentur für Arbeit von Frau Kruse deshalb etwas irritiert, weil die gute Doris öffentlich bekannte, dass sie gerne Arbeiten wolle. Getreu dem Motto: Wer Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.

Mein Fazit: Man glaubt es kaum, aber offenbar können die Arbeitsagenturen Menschen für Blöd erklären, sie in eine Behindertenwerkstatt abschieben und somit die Arbeitslosenstatistiken schönen. Die ethischen und sozialen Fragen bleiben dabei außen vor – wie so oft müssen Diener der Staatsmacht ja nicht für ihre Entscheidungen selber haften. Pfui!

Weiterführende Links:

Robert hat sein Taschenmesser mitgebracht

Freitag, Juli 24th, 2009

Die Zeiten ändern sich… das ist so. Manche Veränderung kommt einem heute ganz normal vor – aber “normal” war längst nicht immer normal. Wie seltsam sich der Umgang mit unserer nachwachsenden Generation verändert hat, zeigt die folgende Geschichte.

Szenario: Robert schießt eine Fensterscheibe ein und kriegt deshalb von seinem Vater eine Ohrfeige.

1973 – Robert passt jetzt besser auf, wird erwachsen und führt ein normales Leben.

Heute – Roberts Vater wird wegen Kindesmisshandlung eingesperrt. Robert wird der Mutter weggenommen und in ein Heim für Prügelkinder gesteckt. Roberts kleine Schwester wird vom Psychologen suggeriert, dass sie auch misshandelt wurde. Der Vater kommt nie wieder aus dem Knast und die Mutter fängt ein Verhältnis mit dem Psychologen an.

Mehr dieser Geschichten und die Antwort auf die Frage, was es mit Roberts Taschenmesser auf sich hat, gibt es hier (Powerpoint, 100kB).

Shay schoss sich vor 1978 in den Fuß

Samstag, Juni 27th, 2009

Nach dem Ärger um Zensursula&Co gibt’s nun mal wieder etwas Abwechslung im Blog.

Die Geschichte von Shay – ein Mini-Märchen für alle, die am liebsten stets “schneller”, “höher”, “weiter” wollen.
http://www.ditze.net/themen/20090627-shay.pps

Geboren vor 1978 – so war das Leben in der guten alten Zeit. Junge Eltern, lasst euch inspirieren.
http://www.ditze.net/themen/20090627-geboren_vor_1978.pps

“Wenn sich der Admin in den Fuß schießt” – Anekdoten von der Admin-Front. Lesenswert für IT’ler.

http://www.heise.de/netze/news/foren/S-Wenn-sich-der-Admin-in-den-Fuss-schiesst/forum-161382/list/

60 Jahre Deutschland e.V.

Freitag, Mai 22nd, 2009

Am 23.05.1949 trat das Grundgesetz in Kraft, mit ihm entstand die Bundesrepublik Deutschland. Ein “Leuchtfeuer der Freiheit” wurde damals geschaffen, so sagte es heute unser aller Bundespräsident Horst Köhler. Doch trotz des Geburtstages blieb die Party aus, keine dreihundert Normalbürger und einige Bundespolitiker feierten den Staatsakt in Berlin. Die Kölnische Rundschau stellt daher auch zu Recht die Frage: “Warum feiern so wenig Deutsche hier?” (Link / Archiv)

Ich selbst hatte von diesem Staatsakt auch nur zufällig erfahren, in meinem Kalender war tatsächlich kein rotes Kreuz wegen des BRD-Geburtstags hinterlegt. Trotzdem möchte ich die Frage der Köllner aufgreifen – warum also feiern hier so wenige?

Meine Meinung:

  • Es gibt wenig emotionale Verbundenheit mit Deutschland (=>gemeint ist: Patriotismus)
    In Deutschland war es ziemlich genau 40 Jahre lang nicht erwünscht, auf das eigene Land “stolz” zu sein oder sich auch nur damit zu identifizieren. Diese Konditionierung ist noch in vielen Köpfen – vermute ich.
  • Das Übernehmen von Verantwortung  ist von uns nicht erwünscht
    Ich beobachte es täglich, dass wir im Herzen doch preußische Untertanen sind. Es gibt wahrlich eine große Zahl Menschen hier, die einfach nur wissen will, was sie machen soll. Wo soll ich mich anstellen? Darf ich hier parken? Ist hier noch frei? Mental an-gestellt, sozusagen…
  • Wir trauen uns nicht aus den kleinen Bahnen
    Im Kaninchenzüchterverein wäre ein 60jähriges Vereinsjubiläum ein Grund, richtig auf die Pauke zu hauen. Wahrscheinlich würden die meisten Vereine sogar deutlich mehr als 300 Gäste zur Geburtstagsfeier zusammen bekommen. Vielleicht liegt es daran, dass bei den Kaninchenzüchtern die Welt einfach noch etwas überschaubarer ist. Vielleicht fühlen wir Deutsche uns nur dann wohl, wenn wir ein Thema innerlich mit Maschendrahtzaun umfrieden können und somit dann genau wissen, was wir zu tun haben oder tun dürfen (siehe Punkt 2). So kommt es dann vielleicht auch, dass heute mein Nachbar seine Schalke-Fahne gehisst hat, aber eine Deutschlandfahne hier am Ort keiner aushängen wollte.
  • Das das alles so ist, liegt nicht an den Politikern!
    Nein, diesmal nicht. Der gemeine Politiker auf Bundes- oder Landesebene kann zwar zu Recht für allerhand Unfug benannt werden, aber das Desinteresse an der eigenen Nationen dürfen wir ihnen nicht in die Schuhe schieben. Dies ist nicht das Land der Politiker, sondern das des gesamten Volkes. Wobei: wer seine Teilhabe an diesem Land auf ein Wahlkreuz im 4-Jahres-Takt beschränkt, der wird meine Aussage wohl nicht nachvollziehen können.

Mein Fazit: Es ist paradox. Wir sind eine der erfolgreichsten Nationen der Welt, sind steinreich, super berechenbar, multi-kulti, ökologische Avantgarde usw., aber trotzdem scheint dies die Einheimischen kaum zu berühren oder zu interessieren. Ist jeder vielleicht nur noch mit sich selbst beschäftigt? Oder herrscht hier der Glaube, dass wir den Wohlstand auf immer und ewig gepachtet haben? Wir sind schon eine seltsame Nation…

Der Grund allen Übels

Montag, Dezember 29th, 2008

Hier ist der Grund allen Übels:

Die Bevölkerung von Deutschland beträgt derzeit 80 Millionen Menschen.

Davon sind 20,5 Millionen Rentner.

Es verbleiben also 59,5 Millionen, um die ganze Arbeit zu verrichten.

Zieht man noch 22 Millionen Kinder, Schüler und Studenten ab, verbleiben
noch 37,5 Millionen.

Dann sind da aber noch 4 Millionen Arbeitslose, 16 Millionen Beamte, die
auch kaum etwas tun, sowie 14 Millionen Hausfrauen bzw. Mütter.

Bleiben also 3,5 Millionen Menschen übrig.

300.000 befinden sich zudem im Militar / Zivildienst, 1,7 Millionen im
Krankenstand / Krankenhaus, weiter 1,4 Millionen im Urlaub, 40.000 sind
Penner und 59.998 befinden sich im Gefängnis.

Somit bleiben nur 2 armselige Trottel übrig, um die ganze Arbeit zu
erledigen. Du und ich. Und was tust Du ? Sitzt da und liest dumme
Websites. Kein Wunder, das ich total überlastet bin !!!