Gesellschaft

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Degeneration durch Billighandy

Sonntag, Mai 20th, 2012

Fakecalls sind Schwindelanrufe, doch Samsungs Marketing mag das so nicht sagenVor ein paar Tagen bekam ich zufällig ein Samsung GT-E1080W in die Hand gedrückt. Das Handy ist zwar ein ausgesprochener “Billigheimer” und kein Ersatz fürs iPhone, doch die Anschaffungskosten von rund 20€ sind in Ordnung für ein Gerät, mit dem man telefonieren kann.

Bis hierhin wäre das Handy kein Wort der Erwähnung wert gewesen, wäre mein Blick nicht an der Fakecall-Funktion hängengeblieben, die Samsung recht offensiv auf der Verpackung des Handys bewirbt. Kurzum, mittels Fakecall bringe ich das Handy recht unauffällig dazu, mich anzurufen. Die Intention ist klar: habe ich kein Bock auf den Menschen vor mir, täusche ich einfach einen Anruf vor und kann mich meinem Gesprächspartner oder der aktuellen Situation entziehen.

Meine Meinung: Fakecalls sind in Software gegossene Degeneration der Gesellschaft. Was soll denn das für ein Vorbild an die Jugend sein? Hier lebt die Industrie aktiv vor, dass es schon in Ordnung ist, wenn man sich durch eine Lüge einer Situation entzieht. Aber hey… es ist ja keine Lüge, es ist nur ein Fakecall. Ehrlicher wäre es gewesen, das Ganze auf Deutsch zu benennen, zum Beispiel als Schwindelanruf. Aber wer will schon seine Mutter, seine Freundin oder den Chef anschwindeln?

Marjane Satrapi

Sonntag, Februar 26th, 2012

Die Welt ist nicht geteilt in Ost und West.
Du bist Amerikaner, ich bin Iranerin,
wir kennen uns nicht, aber wir reden und wir verstehen uns perfekt.
Die Unterschiede zwischen dir und deiner Regierung sind viel größer
als die Unterschiede zwischen dir und mir.
Und die Unterschiede zwischen mir und meiner Regierung sind viel größer
als die Unterschiede zwischen mir und dir.
Und unsere Regierungen sind sehr ähnlich.

Politischer Druck – selbstgemacht

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Wulff, Guttenberg, Koch-Mehrin… die große Politik wird immer mehr zum Biotop für Blender. Es wird betrogen und gelogen -- zumeist gedeckt und mitunter gefördert durch Filz in den Parteien. Ich will das nicht und bin der Meinung, dass wir “normalen” Bürger den Laden ausmisten müssen. Wir brauchen Druck gegen diese Art von Politik.

“Der Vortrag stellt anhand von Beispielen ein Toolset an Möglichkeiten des regelverletzenden und gewaltfreien Mitmischens und Einmischens in Politik vor.”

Wohnungslos

Montag, November 28th, 2011

Schon seltsam, das Leben in diesen Tagen. Kürzlich ist doch glatt einem Kollegen nachts um drei Uhr die Wohnung ausgebrannt – puff, weg war sie und mit ihr alles darin. Der materielle Teil des Lebens erfährt dann einfach mal so einen Reset… keine Fotos, keine alten Liebesbriefe, keine Bücher, kein gar nichts. Eine Zäsur allerersten Ranges. Glück im Unglück: alle Kollegen der Firma waren vom Unglück des Kolllegen betroffen – und haben mit Rat&Tat und handfesten Spenden dazu beigetragen, den Start ins “neue” Leben zumindest etwas zu erleichtern. Toll!

Heute nun “brannte” es wieder: diesmal in meiner Twitter-Timeline. Ich glaube nicht an Zufälle, also sollte ich wohl dem Link folgen, der mich zum Beitrag der Berliner Bloggerin Creezy geführt hat. Die gute Frau wird gerade zerrieben… hat sich aufgegeben… und sieht nur noch die Spirale abwärts.

Über diese Spirale wird in meinem Freundeskreis ab und an gesprochen – mancher meint, dass unsere Sozial- und Wirtschaftsordnung (=>letztlich der Staat und wir alle) diese Entwicklung begünstigt oder zumindest toleriert. Ich bin geneigt, dem zu glauben, zumindest hat mich meine Selbstständigkeit auch so manches Mal existenziell ins Schwitzen gebracht.

Wie dem auch sei: hier ist eine engagierte Frau, die für sich kein Land mehr sieht – und die meiner Meinung nach etwas “Glück” im bereits passierten Unglück haben sollte. Denn: ob selbst verschuldet oder nicht, etwas Hilfe schadet hier nicht. Zu Creezys Beitrag geht’s hier lang – und ja, es darf auch gespendet werden :-)

Deutschland ist kein souveräner Staat

Dienstag, November 22nd, 2011

Ich bin kein Freund von Details. Ich bin aber immer wieder überrascht, wie sich scheinbar selbstverständliche Dinge in Wohlgefallen auflösen, wenn man sich mal ein bisschen mit Details beschäftigt. Mein heutiges Detail: die Souveränität Deutschlands.

Der Souverän in Deutschland ist ja -- angeblich -- das Volk. In diesem Glauben wachsen die meisten von uns auf. Wer Souverän ist, sollte somit auch über Souveränität verfügen, er sollte also die Möglichkeit haben, sich ohne Fremdbestimmung selbst entscheiden zu können.

Umso verblüffender, welche Weisheit uns Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble am 18. November 2011 zuteil werden lies. Der alte Jurist und Politprofi, der auch schon den Vertrag zur Deutschen Einheit mit ausgehandelt hat, gab unverblümt und öffentlich zu: “wir in Deuschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll Souverän gewesen.”

Was also meint unser Bundesfinanzminister, wenn er sagt, dass wir nicht souverän seien? Regieren die USA, Russland, die Franzosen oder die Engländer heimlich mit? Ist die Deutsche Karte oder gar die ominöse Kanzlerakte noch aktuell? Die Antwort gab kürzlich der russische Sicherheitsexperte Alexej Fenenko unter Verweis auf den Bonner Vertrag von 1952 und dem 2+4 Vertrag.

Problem 1: der 2+4 Vertrag zwischen der BRD und der DDR sowie den vier Siegermächten ist juristisch kein Friedensvertrag. Daraus folgt, dass die Bonner Verträge von 1952 (und aktualisiert in 1954) noch gelten. Und der führt uns zu Problem 2.

Problem 2: Artikel 2 des Bonner Vertrags von 1952:

  • (1) Die Drei Mächte behalten im Hinblick auf die internationale Lage die bisher von ihnen ausgeübten oder innegehabten Rechte in bezug auf (a) die Stationierung von Streitkräften in Deutschland und den Schutz von deren Sicherheit, (b) Berlin und (c) Deutschland als Ganzes einschließlich der Wiedervereinigung Deutschlands und einer friedensvertraglichen Regelung.
  • (2) Die Bundesrepublik wird sich ihrerseits jeder Maßnahme enthalten, welche diese Rechte beeinträchtigt, und wird mit den Drei Machten zusammenwirken, um ihnen die Ausübung dieser Rechte zu erleichtern.

Problem 3: Artikel 7 des Bonner Vertrags von 1952:

  • (1) Die Bundesrepublik und die Drei Mächte sind darüber einig, daß ein wesentliches Ziel ihrer gemeinsamen Politik eine zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern frei vereinbarte friedensvertragliche Regelung für ganz Deutschland ist, welche die Grundlage für einen dauerhaften Frieden bilden soll. Sie sind weiterhin darüber einig, daß die endgültige Festlegung der Grenzen Deutschlands bis zu dieser Regelung aufgeschoben werden muß.
  • (2) Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelung werden die Bundesrepublik und die Drei Mächte zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich-demokratische Verfassung ähnlich wie die Bundesrepublik besitzt und das in die europäische Gemeinschaft integriert ist.
  • (3) Im Falle der Wiedervereinigung Deutschlands werden die Drei Mächte -- vorbehaltlich einer zu vereinbarenden Anpassung -- die Rechte, welche der Bundesrepublik auf Grund dieses Vertrages und der Zusatzverträge zustehen, auf ein wiedervereinigtes Deutschland erstrecken und werden ihrerseits darin einwilligen, daß die Rechte auf Grund der Verträge über die Bildung einer integrierten europäischen Gemeinschaft in gleicher Weise erstreckt werden, wenn ein wiedervereinigtes Deutschland die Verpflichtungen der Bundesrepublik gegenüber den Drei Mächten oder einer von ihnen auf Grund der genannten Verträge übernimmt. Soweit nicht alle Unterzeichnerstaaten ihre gemeinsame Zustimmung erteilen, wird die Bundesrepublik kein Abkommen abschließen noch eine Abmachung eingehen, welche die Rechte der Drei Mächte auf Grund der genannten Verträge beeinträchtigen oder die Verpflichtungen der Bundesrepublik auf Grund dieser Verträge mindern würden.
  • (4) Die Drei Mächte werden die Bundesrepublik in allen anderen Angelegenheiten konsultieren, welche die Ausübung ihrer Rechte in bezug auf Deutschland als Ganzes berühren.

Meine Interpretation: Ich bin nun wahrlich kein Jurist, aber als interessierter und engagierter Staatsbürger leite ich mir folgende Erkenntnisse her:

  1. militärisch können die Siegermächte in Deutschland machen was sie wollen. Konkret haben wir das im Irak-Krieg mit Kanzler Schröder erlebt, der keine Truppen in den Irak senden wollte, den USA aber auch nicht die Durchflugrechte über Deutschland verbieten wollte konnte.
  2. Deutschland muss sich aller Maßnahmen enthalten, die die Rechte der West-Siegermächte aus dem o.g. Vertrag beeinträchtigen könnten. Auch das erleben wir seit vielen Jahren: obwohl juristisch ja sogar unserem Bundesfinanzminister klar ist, dass wir nicht souverän sind, drängte keine bisherige Bundesregierung auf einen Friedensvertrag mit den Siegermächten.
  3. Die Grenzen Deutschlands sind nicht abschließend geklärt, weil es noch keinen Friedensvertrag gibt. Kein Wunder, dass sich keiner an das Thema heranwagt -- denn wer Frieden will, muss die Grenzfrage klären. Und ja: nicht nur bei den Vertriebenenverbänden spricht man über die Oder-Neiße-Grenze. Selbst der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Weigel hat in den 1980er Jahren noch darüber gesprochen, dass es keinen völkerrechtlich verbindlichen Beschluss gäbe, das die östlichen Teile des Deutschen Reiches von Deutschland abgetrennt worden sind. Im Deutsch-Polnische-Grenzvertrag vom 14.11.1990 hat Deutschland zwar alle Ansprüche auf die östlichen Ländereien des Deutschen Reiches aufgegeben, ob diese Abtretung aber im Sinne der Bonner Verträge und der eingeschränkten Souveränität überhaupt möglich war, bleibt fragwürdig.

Mein Fazit: Was ich vor wenigen Tagen in der Rubrik “Verschwörungstheorie” gebucht hätte, kristallisiert sich langsam als eine Wahrheit heraus. In der Schule lernen unsere Kinder, dass der 2+4 Vertrag ein Souveränitätsvertrag sei -- de facto ist er es aber nicht, was unser Bundesfinanzminister (s.o.) ja im Jahre 2011 bestätigt hat. Problematisch finde ich in diesem Kontext auch, dass eine Diskussion dieser Angelegenheit kaum möglich ist. Wenn Begriffe wie “Oder-Neiße-Linie” oder ”Deutsches Reich” fallen, schnappen gerne schnell die Beißreflexe bei uns braven Deutschen zu - ein Wort genügt und die geistige Klappe fällt. Der Status Deutschlands bleibt somit ungeklärt… und wird sich wohl auch nicht so schnell klären. Danke Wolfgang, für einmal Klartext.

Ausblick: wer eine amtliche Antwort zur Frage “sind wir in Deutschland souverän” haben will, mag meine Anfrage an den Sprecher der Bundesregierung im Auge behalten.

Update, 13.12.2011

Da unser Regierungssprecher via Twitter zwar viel erzählt aber leider nicht auf Anfragen des Souveräns antwortet, habe ich direkt beim Bundesfinanzministerium nachgefragt, was unser Minister wohl gemeint haben könnte. Stay tuned.

Ein Blick in die 90er

Freitag, Oktober 14th, 2011

Vor ein paar Tagen habe ich im Keller einen Stapel alter Fotos gefunden: Schüleraustausch 1994! Wow, das waren noch Zeiten. Wir trugen komische Sachen, waren 30 Kilo leichter, die WTC-Türme standen noch und alles war irgendwie unkompliziert. Ich kann mit gutem Gewissen sagen: ja, dass war sie – die berühmt-berüchtigte gute alte Zeit.

Den Blick zurück in die 90er gibt’s auf http://ditze.net/gapp-1994

Jugendarbeit in Mellnau 2010

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen, Kürzungen und Umstrukturierungen ist das Thema Jugendarbeit ein heißes Eisen.  Öffentliche Jugendförderung findet primär in den Städten statt, auf den Dörfern kommt sie jedoch nicht oder nur im geringen Umfang an. Jugendarbeit bleibt auf dem Dorf ein Thema für die Vereine und die Kirche. Dies gilt auch für Mellnau und die Kirchengemeinde Rosphetal-Mellnau.

Im Q4/2009 fanden sich ein paar Mellnauer, die ehrenamtlich Jugendarbeit im Rahmen der Kirche anbieten wollten.  Das Konzept: Durch gelegentliche Events sollten die Kinder und Jugendlichen über alle Vereine hinweg zusammengeführt werden. Dabei wollten wir auch diejenigen integrieren, die nicht die Angebote der Vereine nutzen. Diesen Plan haben wir ein Jahr lang umgesetzt – und hier nun meine persönliche Rückschau auf das Jahr 2010.

Die grööößte Pizza Mellnaus

Gruppenbild vom PizzabackenPizzabacken mit Kids&Teens am 2.1.2010.

Am 2. Januar um 16.00 Uhr war es soweit, 11 junge und 4 ältere Mellnauer trafen sich am DGH und wollten Backen. Der Plan war einfach: Zwei riesige Pizzableche sollten im Bürgerhaus belegt und danach im Backhaus gebacken werden. Anschließend sollten die Bleche wieder zurück ins Bürgerhaus gebracht werden, wo wir sie in Ruhe verspeisen wollten.

Fotos & Bericht: http://jalbum.net/browse/user/album/903159/

1. Mellnauer Teenie Biwak

Waldwanderung mit anschließendem Lagerfeuer am 29.5.2010.

Am 29. Mai um 15 Uhr ging es los: 12 Kids und 3 Bollerwagen eilten dem Wald entgegen, begleitet von Katrin Schwarz, Kirsten Becker und Andreas Ditze. Vom Start weg überraschten uns die Jugendlichen: Die einen wollten in Flip-Flops durch den Wald, die anderen kamen in kompletter Wandermontur. Einer hatte sogar so viel Energie, dass er die Wandergruppe für ein paar Minuten verlies „um mal eben nach seiner Scheune zu gucken“, die ein paar hundert Meter vom Weg entfernt lag.

Fotos: http://jalbum.net/browse/user/album/903144/
Bericht: http://ditze.net/themen/20100626-20100626-Rueckblick1MTB.pdf

„Konficup 2010 in Elnhausen“

Aufbau, Training und Begleitung der Konfirmanden Rosphetal-Mellnau zum Konficup am 28.7.2010.

Am 28. August 2010 stand für die Konfirmanden aus Oberrosphe, Unterrosphe, Göttingen und Mellnau der Konficup 2010 in Elnhausen auf dem Programm. Der Cup begann für unser Team Rosphetal-Mellnau mit einem Spiel gegen Sterzhausen – das Elend endete 15 Minuten später mit einer herben Schlappe. Jede Mannschaft hatte zwei Tore geschossen, am Ende stand es 4:0 gegen uns.

Fotos: http://jalbum.net/browse/user/album/906446/
Bericht: http://www.mellnau.de/data/mk/2010/Kuckuck_2010_04.pdf (Seite 9)

„Draußentag der Konfirmanden“

Begleitung der Konfirmanden Rosphetal-Mellnau bei der Erkundung des Burgwalds am 2.10.2010.

Morgens um 9:00 Uhr trafen wir uns in Oberrosphe und wanderten noch in strömendem Regen  in den Wald. Dort gab es in einer schönen Hütte im Dickicht des Waldes erst einmal ein umfangreiches Frühstück, das zusammengestellt war aus den Sachen, die wir selber mitgebracht hatten. Zum späteren „Waldgrillen“ machten wir  ein Lagerfeuer. Dann gingen wir mit dem Förster in den Wald.

Fotos: http://jalbum.net/browse/user/album/906533/
Bericht: http://ditze.net/2010/09/konficup-2010-in-elnhausen/

Fazit nach einem Jahr Kinder- und Jugendarbeit

  • es gab vier Veranstaltungen im ersten Jahr
  • an allen Veranstaltungen nahmen stets zwischen 10 und 20 Kinder und Jugendliche teil
  • der Kreis der ehrenamtlichen Helfer ist größer geworden
  • die Verknüpfung zur Kirche funktioniert und ergänzt sich gut
  • alle Veranstaltungen kosten Geld (primär Essen+Getränke)

Ehrenamtliche Helfer für die Kinder- und Jugendarbeit in Mellnau

  • Kirsten Becker
  • Nadine Balzer
  • Andreas Ditze
  • Simone Nitschke
  • Michael Lins
  • Pfr. Wilma Ruppert-Golin

Ausblick für 2011

Wir, die ehrenamtlichen Helfer, wollen auch in 2011 im Rahmen der Kirche vier Veranstaltungen für die Kinder und Jugendlichen in Mellnau anbieten. Wir verstehen unsere Arbeit als Ergänzung zu den Ortsvereinen. Wir wollen den Gemeinsinn der Jugend wecken und dadurch langfristig unserer Dorfgemeinschaft etwas Gutes tun. Mit dieser Mission starten wir durch ins neue Jahr.

Cyberwar 2010

Mittwoch, Dezember 8th, 2010

Es gibt Momente, da merkt man als Zeitzeuge, dass gerade etwas wichtiges passiert. Zum Beispiel damals am 11. September 2001… da war klar, dass eine Grenze überschritten wurde. Oder auch beim zweiten Golfkrieg, als man im Fernsehen mitverfolgen konnte, dass die Amis die Welt anlogen und trotzdem ganz offiziell Krieg machen durften. Doch genug davon. Meiner Meinung nach ist 2010 auch wieder so ein Jahr: Der Beginn des Cyberwar.

Akt 1: China vs. Google

Im Januar 2010 ging’s erstmals richtig zur Sache. Ein paar Hacker nahmen sich Google vor (Mirror) – immerhin: viel Feind, viel Ehr’. Schon kurz nach dem Einbruch kam das Gerücht auf, die chinesische Regierung würde hinter dem Angriff stecken. Die Dementis ließen nicht lange auf sich warten, doch wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Fazit I:

  • Erstmals ist es halbwegs offiziell, dass ein Staat beim Hacking gegen ein anderes Land erwischt wurde.
  • Im Januar durfte man noch davon ausgehen, dass “nur” wirtschaftliche Interessen hinter dem Angriff gesteckt haben. Otto Normalbürger brauchte sich also keine wirklichen Sorgen zu machen.

Akt 2: USA vs. Iran – Stuxnet

Mitte Juli 2010 kamen erstmals Gerüchte über einen Supervirus auf. Der Schadcode sollte mehrere Zero-Day-Exploits ausnutzen und gezielt auf die Störung von Industrieanlagen programmiert sein. Besonders häufig wurde in diesem Zusammenhang das iranische Kraftwerk Buschehr genannt, dessen Siemens-Steuerungssoftware von Stuxnet heimgesucht wurde (Mirror). Der Angriff wurde bereits wenige Tage nach Bekanntwerden den USA und Israel zugeordnet.

Fazit II:

  • Erstmals spricht die Bundesregierung offiziell davon (Mirror), dass es Cyberwar gibt – und sie fordert sogar offizielle Regeln für diese Art der Kriegsführung.
  • Der Sprecher des Chaos Computer Clubs spricht vom Digitalen Erstschlag (Mirror). Er weist darauf hin, dass „so etwas [...] große Staaten zusammen[bauen], wenn die Alternative bei einem Misserfolg wäre, einen Krieg anzufangen.“

Akt 3: Wikileaks vs. USA – #Cablegate

Ende November 2010 veröffentlichte die Plattform Wikileaks knapp 250.000 vertrauliche Dokumente aus dem Regierungsnetzwerk der USA. Botschaftsdepeschen, Lageberichte und Arbeitsanweisungen gingen an ausgewählte Medienpartner auf der ganzen Welt. Als Quelle für Wikileaks diente ein junger Soldat.

Fazit III:

Akt 4: USA vs. Wikileaks

An dieser Stelle wird der Cyberwar zu einem realen, physischem Krieg. Kurzum: Die USA fühlen sich durch Wikileaks und den Gründer der Plattform, Julian Assange, dermaßen auf den Schlipps getreten, dass sie das volle Programm abspulen. Zum Auftakt gabs erstmal ein paar DDoS-Angriffe (Mirror), um die Server lahmzulegen. Danach folgte der internationale Haftbefehl (Mirror), die Löschung der wikileaks.org-Domain (Mirror), etwas Druck auf Wissenschaftler (Mirror) und Unternehmen (Mirror). Zum krönenden Abschluss gab’s dann noch die Überlegung amerikanischer Politiker, ob man Herrn Assange nicht gleich zum Terroristen erklären lassen sollte (Mirror). Last but not least: Der internationale Haftbefehl wurde ausgestellt wegen einer Vergewaltigung (Mirror). Weniger bekannte Quellen sprechen hingegen von einem geplatzten Kondom (Mirror).

Fazit IV:

  • Die Rote Linie ist überschritten, eine neue Qualität in Sachen Cyberwar ist erreicht.
  • Wenn Regierungen in dieser Weise Druck ausüben, mauscheln und den Boden des Rechtsstaats verlassen, wundert es mich nicht, wenn sich weltweit Netizens solidarisieren (Mirror).
  • Nur konsequent ist vor diesem Hintergrund der Tweet von John Perry Barlow: The first serious infowar is now engaged. The field of battle is WikiLeaks. You are the troops.

Eine spannende, besorgniserregende und zutiefst bemerkenswerte Entwicklung hat ihren Lauf genommen. Holzauge, sei wachsam!

Quo vadis Südafrika

Sonntag, April 25th, 2010

Kürzlich waren vier Menschen aus meiner Familie im Süden Afrikas, genau genommen in Namibia. Alle tourten durchs Land, machten ihre Erfahrungen mit der Kultur und kamen wohlbehalten nach Hause. Soweit sogut, die Geschichte könnte damit vorbei sein.

Besonders erwähnenswert ist jedoch, dass alle vier einstimmig von den Sorgen der “weißen Farmer” berichteten. Diese Menschen fürchten den Tag, an dem der Südafrikas Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela den Löffel abgibt.

Dazu muss man wissen: In Südafrika, Namibia usw. ist die Bevölkerung immer noch recht stark in Stammesstrukturen aufgeteilt (allein Namibia: ca. 15 Stämme). Jeder Stamm hat natürlich seinen Häuptling… und natürlich mögen sich nicht alle Häuptlinge. Da sich die Stammesgrenzen nicht mit den Staatsgrenzen decken, führt Gewalt zwischen Stämmen leicht zu Gewalt zwischen den Staaten – soviel zum Hintergrund.

Woher nun also die Angst “der Weißen”? Ein Teil der Menschen dort unten glaubt offenbar, dass viele Stämme sich nur deshalb nicht untereinander bekämpfen, weil die Häuptlinge aus Respekt vor Nelson Mandela “die Füße still halten”. Sobald der alte Mann jedoch das zeitliche gesegnet haben wird, könnte sich das ändern.

So ganz unwahrscheinlich ist dies nicht, denn Fakt ist: Der ANC hat sich weit von Mandels Vision für Südafrika entfernt, der Mord an Eugene Terreblance ließ Rassenunruhen befürchten und nötigte Präsident Zuma einen Aufruf zur Nationalen Einheit ab und Julius Malema, einer der höchsten politischen Nachwuchskräfte Afrikas profiliert sich mit Beschimpfungen gegen BBC-Journalisten.  

Was bleibt? Es bleibt zu hoffen, dass sich die weißen Farmer geirrt haben und meine Familienleute nur auf Stereotypen hereingefallen sind – oder das zivilisatorische Errungenschaften wie die Fußball-WM 2010 ;-) einen Wandel im Süden Afrikas bewirken.

Den Staat vom Leib halten

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

gerhart-baumUm 20.15 Uhr lief heute in der Tagesschau ein Bericht über die Klage von ca. 34.000 Bundesbürgern gegen die Vorratsdatenspeicherung. In dem Beitrag kam auch ein gewisser Gerhart Baum zur Sprache, der in wenigen Worten zusammenfasste, was ich so kaum für möglich gehalten hätte.

Zur besten Sendezeit sagte er wörtlich: [Die Vorratsdatenspeicherung] “ist ein schwerer Grundrechtseingriff in unsere Privatheit. Wir haben keinerlei Anlass gegeben das der Staat unsere Daten sammelt. Wir müssen in diesem Land in der Lage sein, uns den Staat vom Leib zu halten, wenn wir uns ordnungsgemäß verhalten.

Jawohl, recht hat der Mann! Anstatt den Staat für alles und jedes persönliche Ungemach verantwortlich zu machen, sollte unser Anspruch genau in die andere Richtung gehen. Jeder Mensch möge sich so entfalten wie es ihm deucht – und nur wo es unbedingt geboten ist, sollte der Staat eingreifen. Unser Land braucht mehr Gerhart Baums, gerne auch noch stärker in der Öffentlichkeit. Wenn schon nicht im Fernsehen, dann wenigstens hier im Blog.

An dieser Stelle noch einen schönen Gruß an Stepro von Wikipedia.de. Stepro hat es geschafft, den o.g. Quote innerhalb von 2 Minuten zu löschen mit der Bemerkung “keine ausreichende Quellenangabe, nix tagesaktuelles einfügen”. Na, dann warten wir doch einfach noch ein paar Jahre ab, bis das Zitat gut abgehangen ist. Oder sollte ich stattdessen besser sagen: “wir müssen in diesem Wikipedia in der Lage sein, uns die Admins vom Hals zu halten, wenn wir ordnungsgemäß posten?” ;-)

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