Mysteriös

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Deutschland ist kein souveräner Staat

Dienstag, November 22nd, 2011

Ich bin kein Freund von Details. Ich bin aber immer wieder überrascht, wie sich scheinbar selbstverständliche Dinge in Wohlgefallen auflösen, wenn man sich mal ein bisschen mit Details beschäftigt. Mein heutiges Detail: die Souveränität Deutschlands.

Der Souverän in Deutschland ist ja -- angeblich -- das Volk. In diesem Glauben wachsen die meisten von uns auf. Wer Souverän ist, sollte somit auch über Souveränität verfügen, er sollte also die Möglichkeit haben, sich ohne Fremdbestimmung selbst entscheiden zu können.

Umso verblüffender, welche Weisheit uns Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble am 18. November 2011 zuteil werden lies. Der alte Jurist und Politprofi, der auch schon den Vertrag zur Deutschen Einheit mit ausgehandelt hat, gab unverblümt und öffentlich zu: “wir in Deuschland sind seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt mehr voll Souverän gewesen.”

Was also meint unser Bundesfinanzminister, wenn er sagt, dass wir nicht souverän seien? Regieren die USA, Russland, die Franzosen oder die Engländer heimlich mit? Ist die Deutsche Karte oder gar die ominöse Kanzlerakte noch aktuell? Die Antwort gab kürzlich der russische Sicherheitsexperte Alexej Fenenko unter Verweis auf den Bonner Vertrag von 1952 und dem 2+4 Vertrag.

Problem 1: der 2+4 Vertrag zwischen der BRD und der DDR sowie den vier Siegermächten ist juristisch kein Friedensvertrag. Daraus folgt, dass die Bonner Verträge von 1952 (und aktualisiert in 1954) noch gelten. Und der führt uns zu Problem 2.

Problem 2: Artikel 2 des Bonner Vertrags von 1952:

  • (1) Die Drei Mächte behalten im Hinblick auf die internationale Lage die bisher von ihnen ausgeübten oder innegehabten Rechte in bezug auf (a) die Stationierung von Streitkräften in Deutschland und den Schutz von deren Sicherheit, (b) Berlin und (c) Deutschland als Ganzes einschließlich der Wiedervereinigung Deutschlands und einer friedensvertraglichen Regelung.
  • (2) Die Bundesrepublik wird sich ihrerseits jeder Maßnahme enthalten, welche diese Rechte beeinträchtigt, und wird mit den Drei Machten zusammenwirken, um ihnen die Ausübung dieser Rechte zu erleichtern.

Problem 3: Artikel 7 des Bonner Vertrags von 1952:

  • (1) Die Bundesrepublik und die Drei Mächte sind darüber einig, daß ein wesentliches Ziel ihrer gemeinsamen Politik eine zwischen Deutschland und seinen ehemaligen Gegnern frei vereinbarte friedensvertragliche Regelung für ganz Deutschland ist, welche die Grundlage für einen dauerhaften Frieden bilden soll. Sie sind weiterhin darüber einig, daß die endgültige Festlegung der Grenzen Deutschlands bis zu dieser Regelung aufgeschoben werden muß.
  • (2) Bis zum Abschluß der friedensvertraglichen Regelung werden die Bundesrepublik und die Drei Mächte zusammenwirken, um mit friedlichen Mitteln ihr gemeinsames Ziel zu verwirklichen: ein wiedervereinigtes Deutschland, das eine freiheitlich-demokratische Verfassung ähnlich wie die Bundesrepublik besitzt und das in die europäische Gemeinschaft integriert ist.
  • (3) Im Falle der Wiedervereinigung Deutschlands werden die Drei Mächte -- vorbehaltlich einer zu vereinbarenden Anpassung -- die Rechte, welche der Bundesrepublik auf Grund dieses Vertrages und der Zusatzverträge zustehen, auf ein wiedervereinigtes Deutschland erstrecken und werden ihrerseits darin einwilligen, daß die Rechte auf Grund der Verträge über die Bildung einer integrierten europäischen Gemeinschaft in gleicher Weise erstreckt werden, wenn ein wiedervereinigtes Deutschland die Verpflichtungen der Bundesrepublik gegenüber den Drei Mächten oder einer von ihnen auf Grund der genannten Verträge übernimmt. Soweit nicht alle Unterzeichnerstaaten ihre gemeinsame Zustimmung erteilen, wird die Bundesrepublik kein Abkommen abschließen noch eine Abmachung eingehen, welche die Rechte der Drei Mächte auf Grund der genannten Verträge beeinträchtigen oder die Verpflichtungen der Bundesrepublik auf Grund dieser Verträge mindern würden.
  • (4) Die Drei Mächte werden die Bundesrepublik in allen anderen Angelegenheiten konsultieren, welche die Ausübung ihrer Rechte in bezug auf Deutschland als Ganzes berühren.

Meine Interpretation: Ich bin nun wahrlich kein Jurist, aber als interessierter und engagierter Staatsbürger leite ich mir folgende Erkenntnisse her:

  1. militärisch können die Siegermächte in Deutschland machen was sie wollen. Konkret haben wir das im Irak-Krieg mit Kanzler Schröder erlebt, der keine Truppen in den Irak senden wollte, den USA aber auch nicht die Durchflugrechte über Deutschland verbieten wollte konnte.
  2. Deutschland muss sich aller Maßnahmen enthalten, die die Rechte der West-Siegermächte aus dem o.g. Vertrag beeinträchtigen könnten. Auch das erleben wir seit vielen Jahren: obwohl juristisch ja sogar unserem Bundesfinanzminister klar ist, dass wir nicht souverän sind, drängte keine bisherige Bundesregierung auf einen Friedensvertrag mit den Siegermächten.
  3. Die Grenzen Deutschlands sind nicht abschließend geklärt, weil es noch keinen Friedensvertrag gibt. Kein Wunder, dass sich keiner an das Thema heranwagt -- denn wer Frieden will, muss die Grenzfrage klären. Und ja: nicht nur bei den Vertriebenenverbänden spricht man über die Oder-Neiße-Grenze. Selbst der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Weigel hat in den 1980er Jahren noch darüber gesprochen, dass es keinen völkerrechtlich verbindlichen Beschluss gäbe, das die östlichen Teile des Deutschen Reiches von Deutschland abgetrennt worden sind. Im Deutsch-Polnische-Grenzvertrag vom 14.11.1990 hat Deutschland zwar alle Ansprüche auf die östlichen Ländereien des Deutschen Reiches aufgegeben, ob diese Abtretung aber im Sinne der Bonner Verträge und der eingeschränkten Souveränität überhaupt möglich war, bleibt fragwürdig.

Mein Fazit: Was ich vor wenigen Tagen in der Rubrik “Verschwörungstheorie” gebucht hätte, kristallisiert sich langsam als eine Wahrheit heraus. In der Schule lernen unsere Kinder, dass der 2+4 Vertrag ein Souveränitätsvertrag sei -- de facto ist er es aber nicht, was unser Bundesfinanzminister (s.o.) ja im Jahre 2011 bestätigt hat. Problematisch finde ich in diesem Kontext auch, dass eine Diskussion dieser Angelegenheit kaum möglich ist. Wenn Begriffe wie “Oder-Neiße-Linie” oder ”Deutsches Reich” fallen, schnappen gerne schnell die Beißreflexe bei uns braven Deutschen zu - ein Wort genügt und die geistige Klappe fällt. Der Status Deutschlands bleibt somit ungeklärt… und wird sich wohl auch nicht so schnell klären. Danke Wolfgang, für einmal Klartext.

Ausblick: wer eine amtliche Antwort zur Frage “sind wir in Deutschland souverän” haben will, mag meine Anfrage an den Sprecher der Bundesregierung im Auge behalten.

Update, 13.12.2011

Da unser Regierungssprecher via Twitter zwar viel erzählt aber leider nicht auf Anfragen des Souveräns antwortet, habe ich direkt beim Bundesfinanzministerium nachgefragt, was unser Minister wohl gemeint haben könnte. Stay tuned.

Klare Sprache, bitte!

Dienstag, September 20th, 2011

Heute morgen las ich in der Zeitung ein Zitat von Philipp Rösler, dem Bundesvorsitzenden der FDP. Der gute Mann ließ im Kontext mit der verlorenen Landtagswahl in Berlin ausrichten: “Es ist unbestritten vielleicht die schwierigste Situation für die FDP seit ihrem Bestehen”. Aha!

Leute, wenn ich so einen Mist lese, wird mir übel. Was ist denn das bitteschön für eine Sprache? Es ist unbestritten vielleicht die schwierigste Situation für die FDP… mag sein. Eventuell ist es aber auch unbestritten vielleicht die schönste Situation. Vielleicht ja, vielleicht nein, wer will das schon sagen.

Doch ich kann unserem Bundes-Flippi keinen Vorwurf machen, denn Kanzlerin Mutti ist ja kaum besser. Die stellte sich gestern Abend in Alsfeld vor die Hessen-CDU und erzählte im Kontext der Euro-Krise: “es gibt die historische Erfahrung, dass Länder, die eine Währung haben, nie mehr Krieg gegeneinander führen”. Herrje, was soll denn das? Zum einen ist es sachlich falsch (Stichwort: Mali und Burkina Faso 1985), doch viel schlimmer noch: der Umkehrschluss ist einfach grottig. Will Frau Kanzlerin etwa allen ernstes behaupten, dass die Griechen Krieg gegen Deutschland führen, sobald sie aus dem Euro raus sind? Falls ja, dann soll sie es doch klar sagen, anstatt sich mit sachlich falschen Behauptungen zu profilieren.

Lieber Leser, der Wunsch, sich durch eine wachsweiche Rhetorik möglichst stressfrei durchs Leben lavieren zu können, ist verständlich, aber wenig förderlich. Meiner Wahrnehmung nach erschrickt heute schon der ein oder andere, wenn man selbst einen klaren Dafür/Dagegen-Standpunkt einnimmt. Beispiele finden sich überall, sei es im Privaten wie auch im Beruf. Wo man ohne Standpunkt landet, erlebt die FDP ja gerade sehr plastisch mit ihren 1,8 Prozent vor dem Berliner Landtag (drin sind sie ja nicht mehr). Unsere Gesellschaft und unser Land braucht Standpunkte, also los: ich bin für klare Standpunkte.

10 Jahre 9/11

Sonntag, September 11th, 2011

Zehn Jahre, fünfzehn Kilo und tausend graue Haare sind seit den vier Terroranschlägen am 9.11.2001 vergangen. Historiker und Verschwörungstheoretiker streiten sich immer noch um “die” Wahrheit. Neue Wahrheiten vermag ich hier nicht zu verkünden, lediglich ein paar Blicke zurück. Als die Anschläge damals liefen, habe ich die Ereignisse auf einigen Websites verfolgt und als PDF konserviert.

Hier meine Sammlung:

Cyberwar 2010

Mittwoch, Dezember 8th, 2010

Es gibt Momente, da merkt man als Zeitzeuge, dass gerade etwas wichtiges passiert. Zum Beispiel damals am 11. September 2001… da war klar, dass eine Grenze überschritten wurde. Oder auch beim zweiten Golfkrieg, als man im Fernsehen mitverfolgen konnte, dass die Amis die Welt anlogen und trotzdem ganz offiziell Krieg machen durften. Doch genug davon. Meiner Meinung nach ist 2010 auch wieder so ein Jahr: Der Beginn des Cyberwar.

Akt 1: China vs. Google

Im Januar 2010 ging’s erstmals richtig zur Sache. Ein paar Hacker nahmen sich Google vor (Mirror) – immerhin: viel Feind, viel Ehr’. Schon kurz nach dem Einbruch kam das Gerücht auf, die chinesische Regierung würde hinter dem Angriff stecken. Die Dementis ließen nicht lange auf sich warten, doch wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Fazit I:

  • Erstmals ist es halbwegs offiziell, dass ein Staat beim Hacking gegen ein anderes Land erwischt wurde.
  • Im Januar durfte man noch davon ausgehen, dass “nur” wirtschaftliche Interessen hinter dem Angriff gesteckt haben. Otto Normalbürger brauchte sich also keine wirklichen Sorgen zu machen.

Akt 2: USA vs. Iran – Stuxnet

Mitte Juli 2010 kamen erstmals Gerüchte über einen Supervirus auf. Der Schadcode sollte mehrere Zero-Day-Exploits ausnutzen und gezielt auf die Störung von Industrieanlagen programmiert sein. Besonders häufig wurde in diesem Zusammenhang das iranische Kraftwerk Buschehr genannt, dessen Siemens-Steuerungssoftware von Stuxnet heimgesucht wurde (Mirror). Der Angriff wurde bereits wenige Tage nach Bekanntwerden den USA und Israel zugeordnet.

Fazit II:

  • Erstmals spricht die Bundesregierung offiziell davon (Mirror), dass es Cyberwar gibt – und sie fordert sogar offizielle Regeln für diese Art der Kriegsführung.
  • Der Sprecher des Chaos Computer Clubs spricht vom Digitalen Erstschlag (Mirror). Er weist darauf hin, dass „so etwas [...] große Staaten zusammen[bauen], wenn die Alternative bei einem Misserfolg wäre, einen Krieg anzufangen.“

Akt 3: Wikileaks vs. USA – #Cablegate

Ende November 2010 veröffentlichte die Plattform Wikileaks knapp 250.000 vertrauliche Dokumente aus dem Regierungsnetzwerk der USA. Botschaftsdepeschen, Lageberichte und Arbeitsanweisungen gingen an ausgewählte Medienpartner auf der ganzen Welt. Als Quelle für Wikileaks diente ein junger Soldat.

Fazit III:

Akt 4: USA vs. Wikileaks

An dieser Stelle wird der Cyberwar zu einem realen, physischem Krieg. Kurzum: Die USA fühlen sich durch Wikileaks und den Gründer der Plattform, Julian Assange, dermaßen auf den Schlipps getreten, dass sie das volle Programm abspulen. Zum Auftakt gabs erstmal ein paar DDoS-Angriffe (Mirror), um die Server lahmzulegen. Danach folgte der internationale Haftbefehl (Mirror), die Löschung der wikileaks.org-Domain (Mirror), etwas Druck auf Wissenschaftler (Mirror) und Unternehmen (Mirror). Zum krönenden Abschluss gab’s dann noch die Überlegung amerikanischer Politiker, ob man Herrn Assange nicht gleich zum Terroristen erklären lassen sollte (Mirror). Last but not least: Der internationale Haftbefehl wurde ausgestellt wegen einer Vergewaltigung (Mirror). Weniger bekannte Quellen sprechen hingegen von einem geplatzten Kondom (Mirror).

Fazit IV:

  • Die Rote Linie ist überschritten, eine neue Qualität in Sachen Cyberwar ist erreicht.
  • Wenn Regierungen in dieser Weise Druck ausüben, mauscheln und den Boden des Rechtsstaats verlassen, wundert es mich nicht, wenn sich weltweit Netizens solidarisieren (Mirror).
  • Nur konsequent ist vor diesem Hintergrund der Tweet von John Perry Barlow: The first serious infowar is now engaged. The field of battle is WikiLeaks. You are the troops.

Eine spannende, besorgniserregende und zutiefst bemerkenswerte Entwicklung hat ihren Lauf genommen. Holzauge, sei wachsam!

Von hinten erschossen – Notwehr!

Freitag, April 30th, 2010

Heute vor einem Jahr geschah der Fall des Tennessee Eisenberg. Dieser junge Mann wurde in Deutschland von zwei Polizisten in Notwehr erschossen. So jedenfalls behaupten es die Polizisten. Diese Variante der Wahrheit wird jedoch zunehmend unwahrscheinlicher.

Spiegel Online berichtet heute:

Aus einem Polizeivideo, auf dem der nachgestellte Einsatz aufgezeichnet ist, ergeben sich jedoch ganz andere Indizien. So wurden die ersten drei Schüsse von hinten auf Eisenberg abgegeben. In dem Filmabschnitt erklären ein Gutachter des Landeskriminalamts und ein Schussexperte übereinstimmend, dass der Student in diesem Moment nicht, wie Zeugen angaben, mit dem Messer vor einem in die Ecke gedrängten Kollegen stand, sondern offenbar die Treppe wieder hinaufgehen wollte.

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,692300,00.html

Der Fairness halber muss ich feststellen, dass eine Auswertung dieser Situation im nachhinein sicher sehr schwer ist. Die o.g. Sachverständigen könnten sich also auch irren oder die Fakten “falsch” interpretiert haben. Mag alles sein - aber gefühltermaßen scheint bei diesem Fall doch etwas mehr im Argen zu sein. “Wo Rauch ist ist auch Feuer” schrieb ich damals in meinem Blog und ein gutes Jahr später sehe ich den Rauch immer noch. Es stehen immer noch Anschuldigungen im Raum, die von der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend entkräftet wurden.

Statement der Staatsanwaltschaft: Pressemitteilung vom 21.12.2009 zur Tötung von Tennessee Eisenberg am 30.04.2009 in Regensburg durch Polizeibeamte

Die bayerische Justiz wäre aus meiner Sicht gut beraten, diesen Fall noch einmal sauber aufzurollen. Es bleibt sonst der üble Beigeschmack, dass hier etwas Schlimmes heruntergespielt oder gar vertuscht werden soll.

Wer den Pfennig nicht ehrt…

Sonntag, Januar 17th, 2010

Kürzlich schickte mich meine Frau einkaufen: u.a. standen blauer Buko, Vollkorntoast und Wattestäbchen auf der Liste. Gesagt getan – alles war schnell beisammen und schon kam ich am Regal mit den Wattestäbchen vorbei. Überrascht nahm ich zur Kenntnis, dass es normale “Vollpreispackungen” und Nachfülltüten dieser weissen Ohrenreiniger gab.

20100116-rewe_wattestaebchen

Nachfülltüten! Das schien mir plausibel – die leere Stäbchen-Plastikkiste hatten wir sicher noch und “nachfüllen” klingt ja irgendwie auch umweltfreundlich. Gesagt getan, schwups in den Einkaufskorb und ab zur Kasse. Aber halt! Der Preis der Nachfüllpackung wirkte irgendwie nicht rund… zumindest nicht im Vergleich zum Vollpreisprodukt.

Auszubildende und Praktikanten aus meiner Arbeitsstätte wissen, dass ich junge Menschen gerne mit dieser Art Dreisatz quäle. Da lag es natürlich für mich nahe, mal genau hinzuschauen, wie mein örtlicher Rewe-Markt seine Wattestäbchenpreise kalkuliert. Lebensnahe Rechenbeispiele fördern schließlich das tiefere Zahlenverständnis.

160 Stäbchen im Nachfüllpack kosten 0,49€
200 Stäbchen im Vollpreispack kosten 0,59€

Der heimische Taschenrechner bestätigte, was der Kopf auch schon vermutete. Der Nachfüllpack ist fast zwei Cent teurer als das Vollpreisprodukt. Die Logik gebietet, dass der Nachfüllpack eigentlich billiger sein müsste, oder?

Ob diese Preisauszeichnung ein Irrtum ist oder Methode hat, wird mir Rewe vielleicht bald selbst erklären - eine Nachfrage per Mail habe ich mir nicht nehmen lassen. Jaja… mitunter kann auch ich kleinkariert sein.

Die Antwort von Rewe

Sehr geehrter Herr Ditze,
vielen Dank für Ihre E-Mail und das Interesse, welches Sie unseren Produkten entgegenbringen.

Gerne geben wir Ihnen die gewünschte Auskunft bezüglich des von Ihnen zitierten Verkaufspreises für Wattestäbchen:

Bei der Berechnung der Verkaufspreise handelt es sich um einen recht komplexen Vorgang, der sehr sorgfältig durchgeführt werden muss. Viele Komponenten haben hier Einfluss (verpackungstechnische Belange, Logistik, Produktionstechnik und -kosten, usw.) Kommt die Nachfüllpackung z. B. aus einer anderen Produktionsstätte, so kann es sein, dass sich ein anderes Kostengefüge ergibt.

Deshalb wird bei der Preisfestlegung bis zur 3. Nachkommastelle gerechnet. Bei Berechnung mit der 3. Nachkommastelle unter Aufrundung der 4. Nachkommastelle liegt der Preis bezogen auf ein Wattestäbchen bei beiden Verpackungsvarianten auf gleicher Höhe, nämlich 0,003 €. (0,49 € : 160 = 0,003; 0,59 : 200 = 0,0029 = 0,003).

Wir hoffen, dass wir mit dieser Information zur Klärung beitragen konnten und freuen uns, wenn Sie unserem Unternehmen auch in Zukunft die Treue halten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Kundenservice – REWE-ZENTRAL AG

Mein Fazit

Positiv: Rewe hat innerhalb kürzester Zeit auf meine Anfrage reagiert. Auf mein Anliegen wurde professionell eingegangen, von Textbausteinen und Musterantworten ist nichts zu erahnen. Lob!
In der Sache bleibt jedoch ein Fragezeichen zurück. Zwar weiß ich nun um die Hintergründe der Preiskalkulation, unterm Strich ist der Nachfüllpacken aber immer noch verhältnismäßig zu teuer. Sei’s drum – die gute Öffentlichkeitsarbeit macht das wieder wett… und letztlich kann ja jeder für sich selbst entscheiden, welchen Packung er kaufen möchte ;-)

D-A-CH wird D-O-OF

Sonntag, November 22nd, 2009

Treibt Sie auch die Sorge von der Umkehr des Flynn-Effekts um? Wohl kaum – und dennoch kennen Sie das Problem.

Der Flynn-Effekt besagt, dass bis Ende der 1990er Jahre der durchschnittlich ermittelte IQ in den westlichen Industrienationen gestiegen ist. Soweit so gut. Leider ist aber auch die Umkehr dieses Effekts zu beobachten, denn seit gut 10 Jahren sinkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz der durchschnittliche IQ. Schlimm (und für mich neu) daran ist, dass dieses Absinken mittlerweile wissenschaftlich Belegbar ist. Neben den bekannten PISA-Studien gibt es also weitere psychologische Erhebungen, die augenscheinlich belegen: wir verdoofen!

Der Fairness halber sei erwähnt, dass Flynn nicht frei von Kritik ist. Trotzdem mag ich nicht von der Hand weisen, diesen “Effekt” im echten Leben schon beobachtet zu haben.
Tipp: Wer sich des Themas weiter annehmen will ohne zu viel lesen zu müssen, der mag sich das Hörbuch zur Generation Doof anschaffen. Das (Hör)buch polarisiert die Verdoofung in Deutschland und regt zum selber-nachdenken an.

Das Problem der globalen Verdoofung wird übrigens auch auf der anderen Seite des Großen Teichs wahrgenommen. In den USA hat der beinharte Superheld Client Eastwood kürzlich festgestellt: “[We're] becoming more juvenile as a nation. The guys who won World War II and that whole generation have disappeared, and now we have a bunch of teenage twits.”
Frei übersetzt: “Wir werden als Nation immer kindischer. Die Typen, die den 2. Weltkrieg gewonnen haben, sind verschwunden. Jetzt haben wir nur noch einen Haufen Teenager-Trottel.”

Und Sie machen sich immer noch keine Sorgen?

Leichte Sprache

Mittwoch, Oktober 7th, 2009
27. September 2009, Bundestagswahl. Keine Frage, als guter Staatsbürger komme ich natürlich meiner Pflicht zur Wahl des Bundestags nach. Und damit ich auch die für mich richtigen Interessenvertreter wähle, informiere ich mich natürlich über die Programme der Parteien. Und dabei gab’s eine faustdicke Überraschung.

Leichte Sprache! SPD, Grüne und die FDP präsentierten ihr Programm in Leichter Sprache. Zuerst stieß ich bei der FDP auf diesen “Wahl”-Comic… und tatsächlich hielt ich das Dokument zuerst für einen Fake. Für das Resultat eines Hackerangriffs, für einen schlechten Scherz, eine gefloppte Marketingaktion. Erst als ich bei den anderen beiden Parteien ebenfalls mit Leichter Sprache konfrontiert wurde, dämmert mir so langsam, dass das ernst gemeint war.

Hier ein paar Auszüge in Leichter Sprache:
  • “Das sind die wichtigsten Dinge aus dem Wahl-Programm in Leichter Sprache. Aber nur das Original-Wahlprogramm ist wirklich gültig.” [Die Grünen]
  • “Bio bedeutet: Das ist gesundes Essen. Das Gemüse und Obst wächst ganz natürlich. Ohne ungesunde Mittel, damit Äpfel besser aussehen. Oder Erdbeeren größer werden. Oder nicht so viel Unkraut zwischen dem Gemüse wächst” [Die Grünen]
  • “Wir wollen andere Wege in der Wirtschaft: Die Wirtschaft soll auch an die Zukunft denken. Wir wollen klare Regeln für die Wirtschaft. Die Chefs sollen nicht mehr so viel Geld bekommen. Und die Betriebe und Banken müssen sich auch um die Menschen kümmern. Wir wollen auch mehr Arbeits-Plätze in kleinen Betrieben und Firmen.” [SPD]
  • “Das ist Deutschland. Deutschland hat kein Gold, keine Diamenten und kein Erdöl.” [FDP]
  • “Viele Länder mögen sich nicht. Manche führen sogar Krieg. Wir wollen, dass sie damit aufhören.” [FDP]

Meine Meinung: Nirgends wird so viel gelogen wie im Krieg, der Liebe und dem Wahlkampf. So gesehen haben die platten Aussagen ja durchaus einen gewissen Charme. Unbestritten ist auch, dass die deutsche Sprache nicht leicht ist und das Leichte Sprache für einige Menschen notwendig ist, damit sie überhaupt am politischen Diskurs teilnehmen können. Trotzdem bleibt hier ein Beigeschmack. Wenn Leichte Sprache in Zukunft die Messlatte für Wahlkampf wird (falls sie es nicht schon ist?!), wird mir Angst und Bang. Sollten in der Zukunft wirklich Wahlen mit Aussagen vom Kaliber “Bio bedeutet gesund” gewonnen werden können?

Im Bundestagswahlkamp 2009 total angesagt: Leichte Sprache

Im Bundestagswahlkamp 2009 total angesagt: Leichte Sprache

Ein  Schmankerl noch am Rande. Die FDP kündigte ihr Wahlprogramm in Leichter Sprache so an: “Behindertengerecht – das FDP-Programm in Bildern”. Ob das das Bild der FDP von Menschen mit Behinderung ist? Honi soit qui mal y pense… achja, einen Screenshot vom 27.09.09 hatte ich zufällig noch zur Hand – zum Vergrößern einfach das Bild anklicken.

Mehr Leichte Sprache:

Doris Kruse ist doof?!

Dienstag, August 18th, 2009

wdr_monitorKennen Sie Doris Kruse? Wohl kaum, denn eigentlich ist sie ein Noname. Doris ist Mutter einer Tochter, hat über zehn Jahre in verschiedenen Jobs gearbeitet… und seit Neuestem ist sie geistig behindert. Zumindest sagt das die Agentur für Arbeit. Eigentlich ist die Geschichte jetzt vorbei, Doris ist doof und Doris ist nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Soweit sogut.

Dummerweise kam die Geschichte aber der Redaktion von Monitor zu Ohren. Monitor recherchierte, machte einen hübschen TV-Beitrag und der Zuschauer rieb sich verwundert die Augen: Doris Kruse gab ein ganz normales Interview, sie wirkte nicht verrückt, die Nachbarn sprachen gut über sie und auch ihre Tochter schien irgendwie “normal”.

Vielleicht war die Agentur für Arbeit von Frau Kruse deshalb etwas irritiert, weil die gute Doris öffentlich bekannte, dass sie gerne Arbeiten wolle. Getreu dem Motto: Wer Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.

Mein Fazit: Man glaubt es kaum, aber offenbar können die Arbeitsagenturen Menschen für Blöd erklären, sie in eine Behindertenwerkstatt abschieben und somit die Arbeitslosenstatistiken schönen. Die ethischen und sozialen Fragen bleiben dabei außen vor – wie so oft müssen Diener der Staatsmacht ja nicht für ihre Entscheidungen selber haften. Pfui!

Weiterführende Links:

  • Behindert nach Aktenlage: Wie Langzeitarbeitslose aus der Statistik verschwinden
  • Sendungsmanuskript als PDF, Diskussionsforum von Monitor
  • Videobeitrag + Diskussionsrunde auf Youtube

Modernes Denunziantentum

Donnerstag, August 6th, 2009

In Nordrhein-Westfalen gibt es einen (ehemaligen) Abteilungsleiter im Landesumweltministerium. Sein Name: Harald Friedrich.

Harald Friedrich wurde von seinem eigenen Ministerium angezeigt. Bandenmäßiger Betrug, Korruption und Untreue standen im Raum. Und ab da wurde es richtig abenteuerlich:

  • 40 Wohnungen wurden durchsucht
  • 2.000 E-Mails überwacht
  • 4.500 Telefonate abgehört
  • 11.000 Seiten Akten geschrieben

Am Ende kam heraus, dass Harald Friedrich ein paar Geschäftsessen nicht so angegeben hat, wie er es hätte machen sollen. Das Ganze bewegt sich im Bereich eines “Vergehens”… und ist keinesfalls eine Straftat, die diesen Aufwand gerechtfertigt hätte. Das Harald Friedrich ein ausgewiesener Kritiker des amtierenden NRW-Umweltministers Eckhard Uhlenberg ist, gibt der ganzen natürlich ein unschönes Geschmäkle.

Meine Meinung: Hier wurde der Staatsapparat genutzt um einen Regierungskritiker mundtot zu machen. Wie lässt sich sonst erklären, dass nach 40 Wohnungsdurchsuchungen lediglich ein paar lächerliche Currywurst-Bewirtungsbelege gegen einen Beschuldigten vorgebracht werden konnten?! Aufklärung muss her, sofort!

Mehr dazu:

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