Politik

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Quo vadis Südafrika

Sonntag, April 25th, 2010

Kürzlich waren vier Menschen aus meiner Familie im Süden Afrikas, genau genommen in Namibia. Alle tourten durchs Land, machten ihre Erfahrungen mit der Kultur und kamen wohlbehalten nach Hause. Soweit sogut, die Geschichte könnte damit vorbei sein.

Besonders erwähnenswert ist jedoch, dass alle vier einstimmig von den Sorgen der “weißen Farmer” berichteten. Diese Menschen fürchten den Tag, an dem der Südafrikas Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela den Löffel abgibt.

Dazu muss man wissen: In Südafrika, Namibia usw. ist die Bevölkerung immer noch recht stark in Stammesstrukturen aufgeteilt (allein Namibia: ca. 15 Stämme). Jeder Stamm hat natürlich seinen Häuptling… und natürlich mögen sich nicht alle Häuptlinge. Da sich die Stammesgrenzen nicht mit den Staatsgrenzen decken, führt Gewalt zwischen Stämmen leicht zu Gewalt zwischen den Staaten – soviel zum Hintergrund.

Woher nun also die Angst “der Weißen”? Ein Teil der Menschen dort unten glaubt offenbar, dass viele Stämme sich nur deshalb nicht untereinander bekämpfen, weil die Häuptlinge aus Respekt vor Nelson Mandela “die Füße still halten”. Sobald der alte Mann jedoch das zeitliche gesegnet haben wird, könnte sich das ändern.

So ganz unwahrscheinlich ist dies nicht, denn Fakt ist: Der ANC hat sich weit von Mandels Vision für Südafrika entfernt, der Mord an Eugene Terreblance ließ Rassenunruhen befürchten und nötigte Präsident Zuma einen Aufruf zur Nationalen Einheit ab und Julius Malema, einer der höchsten politischen Nachwuchskräfte Afrikas profiliert sich mit Beschimpfungen gegen BBC-Journalisten.  

Was bleibt? Es bleibt zu hoffen, dass sich die weißen Farmer geirrt haben und meine Familienleute nur auf Stereotypen hereingefallen sind – oder das zivilisatorische Errungenschaften wie die Fußball-WM 2010 ;-) einen Wandel im Süden Afrikas bewirken.

Den Staat vom Leib halten

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

gerhart-baumUm 20.15 Uhr lief heute in der Tagesschau ein Bericht über die Klage von ca. 34.000 Bundesbürgern gegen die Vorratsdatenspeicherung. In dem Beitrag kam auch ein gewisser Gerhart Baum zur Sprache, der in wenigen Worten zusammenfasste, was ich so kaum für möglich gehalten hätte.

Zur besten Sendezeit sagte er wörtlich: [Die Vorratsdatenspeicherung] “ist ein schwerer Grundrechtseingriff in unsere Privatheit. Wir haben keinerlei Anlass gegeben das der Staat unsere Daten sammelt. Wir müssen in diesem Land in der Lage sein, uns den Staat vom Leib zu halten, wenn wir uns ordnungsgemäß verhalten.

Jawohl, recht hat der Mann! Anstatt den Staat für alles und jedes persönliche Ungemach verantwortlich zu machen, sollte unser Anspruch genau in die andere Richtung gehen. Jeder Mensch möge sich so entfalten wie es ihm deucht – und nur wo es unbedingt geboten ist, sollte der Staat eingreifen. Unser Land braucht mehr Gerhart Baums, gerne auch noch stärker in der Öffentlichkeit. Wenn schon nicht im Fernsehen, dann wenigstens hier im Blog.

An dieser Stelle noch einen schönen Gruß an Stepro von Wikipedia.de. Stepro hat es geschafft, den o.g. Quote innerhalb von 2 Minuten zu löschen mit der Bemerkung “keine ausreichende Quellenangabe, nix tagesaktuelles einfügen”. Na, dann warten wir doch einfach noch ein paar Jahre ab, bis das Zitat gut abgehangen ist. Oder sollte ich stattdessen besser sagen: “wir müssen in diesem Wikipedia in der Lage sein, uns die Admins vom Hals zu halten, wenn wir ordnungsgemäß posten?” ;-)

Leichte Sprache

Mittwoch, Oktober 7th, 2009
27. September 2009, Bundestagswahl. Keine Frage, als guter Staatsbürger komme ich natürlich meiner Pflicht zur Wahl des Bundestags nach. Und damit ich auch die für mich richtigen Interessenvertreter wähle, informiere ich mich natürlich über die Programme der Parteien. Und dabei gab’s eine faustdicke Überraschung.

Leichte Sprache! SPD, Grüne und die FDP präsentierten ihr Programm in Leichter Sprache. Zuerst stieß ich bei der FDP auf diesen “Wahl”-Comic… und tatsächlich hielt ich das Dokument zuerst für einen Fake. Für das Resultat eines Hackerangriffs, für einen schlechten Scherz, eine gefloppte Marketingaktion. Erst als ich bei den anderen beiden Parteien ebenfalls mit Leichter Sprache konfrontiert wurde, dämmert mir so langsam, dass das ernst gemeint war.

Hier ein paar Auszüge in Leichter Sprache:
  • “Das sind die wichtigsten Dinge aus dem Wahl-Programm in Leichter Sprache. Aber nur das Original-Wahlprogramm ist wirklich gültig.” [Die Grünen]
  • “Bio bedeutet: Das ist gesundes Essen. Das Gemüse und Obst wächst ganz natürlich. Ohne ungesunde Mittel, damit Äpfel besser aussehen. Oder Erdbeeren größer werden. Oder nicht so viel Unkraut zwischen dem Gemüse wächst” [Die Grünen]
  • “Wir wollen andere Wege in der Wirtschaft: Die Wirtschaft soll auch an die Zukunft denken. Wir wollen klare Regeln für die Wirtschaft. Die Chefs sollen nicht mehr so viel Geld bekommen. Und die Betriebe und Banken müssen sich auch um die Menschen kümmern. Wir wollen auch mehr Arbeits-Plätze in kleinen Betrieben und Firmen.” [SPD]
  • “Das ist Deutschland. Deutschland hat kein Gold, keine Diamenten und kein Erdöl.” [FDP]
  • “Viele Länder mögen sich nicht. Manche führen sogar Krieg. Wir wollen, dass sie damit aufhören.” [FDP]

Meine Meinung: Nirgends wird so viel gelogen wie im Krieg, der Liebe und dem Wahlkampf. So gesehen haben die platten Aussagen ja durchaus einen gewissen Charme. Unbestritten ist auch, dass die deutsche Sprache nicht leicht ist und das Leichte Sprache für einige Menschen notwendig ist, damit sie überhaupt am politischen Diskurs teilnehmen können. Trotzdem bleibt hier ein Beigeschmack. Wenn Leichte Sprache in Zukunft die Messlatte für Wahlkampf wird (falls sie es nicht schon ist?!), wird mir Angst und Bang. Sollten in der Zukunft wirklich Wahlen mit Aussagen vom Kaliber “Bio bedeutet gesund” gewonnen werden können?

Im Bundestagswahlkamp 2009 total angesagt: Leichte Sprache

Im Bundestagswahlkamp 2009 total angesagt: Leichte Sprache

Ein  Schmankerl noch am Rande. Die FDP kündigte ihr Wahlprogramm in Leichter Sprache so an: “Behindertengerecht – das FDP-Programm in Bildern”. Ob das das Bild der FDP von Menschen mit Behinderung ist? Honi soit qui mal y pense… achja, einen Screenshot vom 27.09.09 hatte ich zufällig noch zur Hand – zum Vergrößern einfach das Bild anklicken.

Mehr Leichte Sprache:

Modernes Denunziantentum

Donnerstag, August 6th, 2009

In Nordrhein-Westfalen gibt es einen (ehemaligen) Abteilungsleiter im Landesumweltministerium. Sein Name: Harald Friedrich.

Harald Friedrich wurde von seinem eigenen Ministerium angezeigt. Bandenmäßiger Betrug, Korruption und Untreue standen im Raum. Und ab da wurde es richtig abenteuerlich:

  • 40 Wohnungen wurden durchsucht
  • 2.000 E-Mails überwacht
  • 4.500 Telefonate abgehört
  • 11.000 Seiten Akten geschrieben

Am Ende kam heraus, dass Harald Friedrich ein paar Geschäftsessen nicht so angegeben hat, wie er es hätte machen sollen. Das Ganze bewegt sich im Bereich eines “Vergehens”… und ist keinesfalls eine Straftat, die diesen Aufwand gerechtfertigt hätte. Das Harald Friedrich ein ausgewiesener Kritiker des amtierenden NRW-Umweltministers Eckhard Uhlenberg ist, gibt der ganzen natürlich ein unschönes Geschmäkle.

Meine Meinung: Hier wurde der Staatsapparat genutzt um einen Regierungskritiker mundtot zu machen. Wie lässt sich sonst erklären, dass nach 40 Wohnungsdurchsuchungen lediglich ein paar lächerliche Currywurst-Bewirtungsbelege gegen einen Beschuldigten vorgebracht werden konnten?! Aufklärung muss her, sofort!

Mehr dazu:

Amerikanischer Purismus – pur!

Dienstag, Mai 5th, 2009

Das unsere verehrten Nachbarn in Übersee ein Problem mit ihrem Verhältnis zur Sexualität haben, dürfte sich mittlerweile ja herumgesprochen haben. Nun, sei’s drum, jeder hat halt so seine Macken. Aber was die US-Amerikaner nun in Gestalt von Microsoft machen, ist – aus deutscher Sicht – wahrlich ein Hohn.

Aus Spaß wird Ernst: Geben Sie mal auf Microsofts Mini-Google-Konkurrent www.live.com als Suchwort “strumpfhose” ein. Suchen Sie einfach mal nach einer Strumpfhose… egal ob für den Eigenbedarf, für den Ehepartner, die Nachbarin oder um damit eine Bank zu überfallen. Das persönliche Motiv spielt für das Ergebnis keine Rolle:

Der amerikanische Purismus greift um sich

Der amerikanische Purismus greift um sich

Ist das nicht schlimm? Diese Art von geistiger Selbstverstümmelung ist meiner Meinung nach der Ausgangspunkt für eine ganz böse Entwicklung. Konkret: Heute sperrt Microsoft den Begriff “Strumpfhose” und bereits heute ist dem Unternehmen bekannt, wer sich nach Strumpfhosen erkundigt hat (über die IP-Adresse).

Wie also geht es nun weiter? Keine Frage: Demnächst wird es heißen, dass alle, die nach Strumpfhosen suchen, entweder Banken überfallen oder damit nachts schwarze Katzen auf dem Friedhof auspeitschen. So oder so – beide Interessen sind zutiefst verdammungswürdig, daher werden die Identitäten der “Strumpfhosen-Anfrager” einfach mal prophylaktisch an das BKA weitergeleitet. Die Behörden können ja dann mal überprüfen, ob derjenige Dreck am Stecken hat.

Sobald das passiert ist, werden alle, die das Wort Strumpfhose in der Öffentlichkeit aussprechen, bemüht sein, sich dafür zu entschuldigen oder zumindest darauf hinzuweisen, dass sie natürlich niemals Banken überfallen oder nachts schwarze Katzen auspeitschen – willkommen in der wunderbaren Welt der geistigen Selbstzensur.

Wer jetzt glaubt, dieser Unfug sei nur eine Art “Fundstück der Woche”, der irrt. Beispiele dieser Art finden sich zu hauf – auch und insbesondere in den aktuellen politischen Diskussionen. Die mündigen Bürger sind gut beraten, bei diesen Diskussionen sehr genau hinzusehen. Ich werden hinsehen!

“Ich bedauere die Unruhe”

Dienstag, April 28th, 2009

Heute haben wir mal wieder sehr schön sehen können, wie es ist, wenn Entscheidungsträger des Staates nicht für die Dinge geradestehen müssen, die sie den lieben langen Tag so anstellen.

Air Force One

Air Force One

Die Situation: Das Weiße Haus in Washington hat sich überlegt, man könne ja mal ein paar Fotos vom präsidialen Flugzeug Air Force One schießen (Link / Archiv). Aber natürlich nicht auf dem Rollfeld, sondern vor etwas hübscherer Kulisse… bspw. den Hochhäusern New Yorks, der Freiheitsstatue oder vor den Gesichtern tausender schockierter Bürger.

Der Plan: Zwei Möglichkeiten gab es, an die Fotos zu kommen. Entweder fragt man den Photoshop-Papst Doc Baumann, ob er die Bilder mal schnell zusammenklickt (geschätzte Kosten: ~ EUR 2.000,- plus Mehrwertsteuer) oder man fotografiert die Bilder einfach in natura (geschätzte Kosten für 2 Flugstunden + Jäger-Geleitschutz + … =  US$ 300.000, ob mit oder ohne Steuer ist egal).

Die Entscheidung: Man entschied sich für die “all natura” Variante – keine Fakefotos, alles mit Originalkulisse. Gesagt, getan.

Die Überraschung: Nachdem die Airforce One ein paar Minuten mit 2 Düsenjägern als Geleitschutz im Schlepptau im Tiefflug über New York dahin flog, haben sich doch tatsächlich ein paar New Yorker aufgeregt. Angeblich fühlten sie sich an den 11. September 2001 erinnert. Wer will es ihnen verübeln? Schließlich gibt es ja gerade wieder frische Spuren, die darauf hindeuten, dass die Twin Towers damals von der US-Regierung gesprengt worden sind. Natürlich wäre es ziemlich dreist, jetzt mit der Airforce One ins Empire State Building zu fliegen und dann zu behaupten, dass Osama Bin Ladens böser Stiefbruder am Steuer gesessen hätte. Aber wer weiß, unsere amerikanischen Freunde sind ja immer für eine Überraschung gut.

Zurück zur Sache: Nachdem nun also halb New York in Panik versetzt wurde und der Bürgermeister sich mal ordentlich aufgeregt hat, kommt der militärische Direktor des Weißen Hauses daher und sagt sinngemäß: “Ich bedauere die Unruhe, die die Präsidentenmaschine verursacht hat.”

Mein Fazit: Lieber Militärdirektor Louis Caldera, es war nicht das Flugzeug, was den Ärger verursacht hat. Es war der bekloppte Plan von ein paar Marketingfreaks, die offenbar der Meinung sind, man könne sich alles erlauben, wenn man nur weit genug oben in der Nahrungskette sitzt. Sowas gehört bestraft - wer zahlt eigentlich die Kosten, die dieses Fotoshooting verursacht hat?