Staatsmacht

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ESM – die unwiderrufliche Vereinbarung

Samstag, Februar 18th, 2012

Während wir uns mit Deutschland-sucht-den-Superpräsidenten aufhalten, lese ich heute in einer Randnotiz, dass am 14. Februar irgendein Diplomat den Vertrag zur Einrichtung des Europäischen Stabilitätsmechanismus für Deutschland unterzeichnet hat. Ja bitte geht’s denn noch?

Wie wäre es denn, wenn wir mal über den Vertrag reden -- anstatt darüber, ob der kleine Christian seine Handyrechnung selbst bezahlt hat? Keinen Plan wovon ich rede? Na, lest euch den ESM Vertrag einfach mal durch.

Hier ein paar Vertragsklauseln zum mitschmunzeln:

Artikel 8,4 : Die ESM-Mitglieder verpflichten sich unwiderruflich und uneingeschränkt, ihren Beitrag zum genehmigten Stammkapital gemäß ihrem Beitragsschlüssel in Anhang I zu leisten. Sie kommen sämtlichen Kapitalabrufen gemäß den Bedingungen dieses Vertrages fristgerecht nach.
=> das bedeutet, dass den nationalen Parlamenten der Mitgliedsstaaten bis zum Sankt Nimmerleinstag das Haushaltsrecht entzogen wird. Im Falle von Deutschland reden wir hier immerhin von 190 Mrd. Euro (~27,14% des anfänglichen Stammkapitals).

Artikel 12,1: Ist dies zur Wahrung der Finanzstabilität des Euro-Währungsgebiets insgesamt und seiner Mitgliedstaaten unabdingbar, so kann der ESM einem ESM-Mitglied unter strengen, dem gewählten Finanzhilfeinstrument angemessenen Auflagen Stabilitätshilfe gewähren. Diese Auflagen können von einem makroökonomischen Anpassungsprogramm bis zur kontinuierlichen Erfüllung zuvor festgelegter Anspruchsvoraussetzungen reichen.
=> das bedeutet, hier wird eine supranationale Regierung ohne demokratische Legitimation etabliert! 

Artikel 24,2: Unbeschadet des Artikels 23 werden der Reingewinn aus den Operationen des ESM und die Einnahmen aus finanziellen Sanktionen gegen ESM-Mitglieder im Rahmen des Verfahrens der multilateralen Überwachung, des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit und des Verfahrens bei
einem übermäßigen makroökonomischen Ungleichgewicht im Rahmen des AEUV in einen Reservefonds eingestellt.
=> das bedeutet, der ESM wird Geld aus den Mitgliedsländern herauspressen (erwirtschaften) um es anschließend wieder bei Großbanken zu parken. 

Artikel 32,3: Der ESM, sein Eigentum, seine Mittelausstattung und seine Vermögenswerte genießen unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, Immunität von gerichtlichen Verfahren jeder Art, es sei denn, der ESM verzichtet für ein Gerichtsverfahren oder in den Klauseln eines Vertrags, etwa in der Dokumentation der Finanzierungsinstrumente, ausdrücklich auf seine
=> das bedeutet, der ESM kann nichtmal vor dem Europäischen Gerichtshof für strafbare oder grob fahrlässige Handlungen sanktioniert werden.

Artikel 32,8: Soweit dies zur Durchführung der in diesem Vertrag vorgesehenen Tätigkeiten notwendig ist, sind das gesamte Eigentum, die gesamte Mittelausstattung und alle Vermögenswerte des ESM von Beschränkungen, Verwaltungsvorschriften, Kontrollen und Moratorien jeder Art befreit.
=> das ist nur konsequent, denn wann man schon von niemanden bestraft werden kann, braucht man auch keine unabhängigen Kontrolleure.

Artikel 35,1: Im Interesse des ESM genießen der Vorsitzende des Gouverneursrats, die Mitglieder des Gouverneursrats, die stellvertretenden Mitglieder des Gouverneursrats, die Mitglieder des Direktoriums, die stellvertretenden Mitglieder des Direktoriums sowie der Geschäftsführende Direktor und die anderen Bediensteten des ESM Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich ihrer in amtlicher Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit hinsichtlich ihrer amtlichen Schriftstücke und Unterlagen.
=> das bedeutet, dass selbst wenn durch eine Vertragslücke ein findiger Staatsanwalt schlüpfen und dem ESM ein Vergehen nachweisen würde, die Beteiligten in keinem Fall zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Das Geschieht natürlich alles im Interesse des ESM!

Artikel 36,1: Im Rahmen seiner amtlichen Tätigkeiten sind der ESM, seine Vermögenswerte, sein Gewinn, sein Eigentum sowie seine im Rahmen dieses Vertrags zulässigen Operationen und Geschäfte von allen direkten Steuern befreit.
=> das bedeutet, dass sich hier eine Organisation formiert, deren Ziel die Erwirtschaftung von Reingewinn ist, den sie bei Großbanken parken und für den sie keine Steuern zahlen will -- bei voller Immunität der Akteure und Unantastbarkeit ihrer Einrichtungen.

Artikel 36, 2: Die ESM-Mitglieder treffen in allen Fällen, in denen es ihnen möglich ist, geeignete Maßnahmen für den Erlass oder die Erstattung des Betrages der indirekten Steuern und Verkaufsabgaben, die in den Preisen für bewegliche oder unbewegliche Güter inbegriffen sind, wenn der ESM für
seinen Dienstbedarf größere Einkäufe tätigt, bei denen derartige Steuern und Abgaben im Preis enthalten sind.
=> das bedeutet, dass sie sogar die Mehrwertsteuer zurück haben wollen… der Begriff Fremdschämen kommt hier langsam hoch.

Artikel 36,5: Die Bediensteten des ESM unterliegen für die vom ESM gezahlten Gehälter und sonstigen Bezüge nach Maßgabe der vom Gouverneursrat zu beschließenden Vorschriften einer internen Steuer zugunsten des ESM. Vom Tag der Erhebung dieser Steuer an sind diese Gehälter und Bezüge von der nationalen Einkommensteuer befreit.
=> das bedeutet, dass die Reingewinnkapitalisten mit Immunität und Botschafterstatus nicht mal den Anstand haben, wenigstens ihre persönliche Vergütung national zu versteuern.

Ich fasse zusammen: wir haben einen Vertrag, der ausführlich die Einsetzung eines Gouverneursrates regelt, deren Immunität, Steuerbefreiung und Unantastbarkeit. Der Vertrag ist unwiderruflich und verpflichtet Deutschland, auf Kommando 190 Mrd. Euro locker zu machen, eventuell auch mehr. Wenn wir uns nicht benehmen, kann der Rat uns Maßregeln und in unser Land hineinregieren. Das alles wird für 17 Länder auf 62 DIN A4-Seiten geregelt. Geht man rein nach der Wortanzahl, spielt das Abkommen in einer Liga mit der Europäischen Verodnung für Roaminggebühren in öffentlichen Mobilfunknetzen…

Kurzum: falls das wirklich ernst gemeint sein soll, kann ich nur hoffen, dass unser Bundesverfassungsgericht diesen dreisten Raubzug gegen Europa und die Menschen unterbindet.

Wer aktiv etwas gegen diesen Unfug tun will, der schreibt seinem Bundestagsabgeordneten. Vielleicht fällt dem ja ein, was man dagegen machen kann.

0,1% Zins ist Wucher!

Samstag, Februar 18th, 2012

In seinem Vortrag für besonders verkopfte Leute (Finanzmathematiker & Wirtschaftswissenschaftler) erklärt Andreas Popp die grundlegenden Zusammenhänge zwischen Geld, Schulden, Zinsen und Wert. Streitbar und doch spannend spricht er über die Danistakratie und lädt ein zum Mit- und Drübernachdenken.

Andreas Popp ist auch beim Esowatch-Wiki verzeichnet. Zu seinen politischen Ansichten wird dort aufgeführt, er verbreite apokalyptische Prophezeiungen zu einem bevorstehenden  Zusammenbruch des Finanzsystems. Ich schließe für mich daraus, dass er zumindest in Sachen Geld kompetent ist.

Politischer Druck – selbstgemacht

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Wulff, Guttenberg, Koch-Mehrin… die große Politik wird immer mehr zum Biotop für Blender. Es wird betrogen und gelogen -- zumeist gedeckt und mitunter gefördert durch Filz in den Parteien. Ich will das nicht und bin der Meinung, dass wir “normalen” Bürger den Laden ausmisten müssen. Wir brauchen Druck gegen diese Art von Politik.

“Der Vortrag stellt anhand von Beispielen ein Toolset an Möglichkeiten des regelverletzenden und gewaltfreien Mitmischens und Einmischens in Politik vor.”

10 Jahre 9/11

Sonntag, September 11th, 2011

Zehn Jahre, fünfzehn Kilo und tausend graue Haare sind seit den vier Terroranschlägen am 9.11.2001 vergangen. Historiker und Verschwörungstheoretiker streiten sich immer noch um “die” Wahrheit. Neue Wahrheiten vermag ich hier nicht zu verkünden, lediglich ein paar Blicke zurück. Als die Anschläge damals liefen, habe ich die Ereignisse auf einigen Websites verfolgt und als PDF konserviert.

Hier meine Sammlung:

Cyberwar 2010

Mittwoch, Dezember 8th, 2010

Es gibt Momente, da merkt man als Zeitzeuge, dass gerade etwas wichtiges passiert. Zum Beispiel damals am 11. September 2001… da war klar, dass eine Grenze überschritten wurde. Oder auch beim zweiten Golfkrieg, als man im Fernsehen mitverfolgen konnte, dass die Amis die Welt anlogen und trotzdem ganz offiziell Krieg machen durften. Doch genug davon. Meiner Meinung nach ist 2010 auch wieder so ein Jahr: Der Beginn des Cyberwar.

Akt 1: China vs. Google

Im Januar 2010 ging’s erstmals richtig zur Sache. Ein paar Hacker nahmen sich Google vor (Mirror) – immerhin: viel Feind, viel Ehr’. Schon kurz nach dem Einbruch kam das Gerücht auf, die chinesische Regierung würde hinter dem Angriff stecken. Die Dementis ließen nicht lange auf sich warten, doch wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Fazit I:

  • Erstmals ist es halbwegs offiziell, dass ein Staat beim Hacking gegen ein anderes Land erwischt wurde.
  • Im Januar durfte man noch davon ausgehen, dass “nur” wirtschaftliche Interessen hinter dem Angriff gesteckt haben. Otto Normalbürger brauchte sich also keine wirklichen Sorgen zu machen.

Akt 2: USA vs. Iran – Stuxnet

Mitte Juli 2010 kamen erstmals Gerüchte über einen Supervirus auf. Der Schadcode sollte mehrere Zero-Day-Exploits ausnutzen und gezielt auf die Störung von Industrieanlagen programmiert sein. Besonders häufig wurde in diesem Zusammenhang das iranische Kraftwerk Buschehr genannt, dessen Siemens-Steuerungssoftware von Stuxnet heimgesucht wurde (Mirror). Der Angriff wurde bereits wenige Tage nach Bekanntwerden den USA und Israel zugeordnet.

Fazit II:

  • Erstmals spricht die Bundesregierung offiziell davon (Mirror), dass es Cyberwar gibt – und sie fordert sogar offizielle Regeln für diese Art der Kriegsführung.
  • Der Sprecher des Chaos Computer Clubs spricht vom Digitalen Erstschlag (Mirror). Er weist darauf hin, dass „so etwas [...] große Staaten zusammen[bauen], wenn die Alternative bei einem Misserfolg wäre, einen Krieg anzufangen.“

Akt 3: Wikileaks vs. USA – #Cablegate

Ende November 2010 veröffentlichte die Plattform Wikileaks knapp 250.000 vertrauliche Dokumente aus dem Regierungsnetzwerk der USA. Botschaftsdepeschen, Lageberichte und Arbeitsanweisungen gingen an ausgewählte Medienpartner auf der ganzen Welt. Als Quelle für Wikileaks diente ein junger Soldat.

Fazit III:

Akt 4: USA vs. Wikileaks

An dieser Stelle wird der Cyberwar zu einem realen, physischem Krieg. Kurzum: Die USA fühlen sich durch Wikileaks und den Gründer der Plattform, Julian Assange, dermaßen auf den Schlipps getreten, dass sie das volle Programm abspulen. Zum Auftakt gabs erstmal ein paar DDoS-Angriffe (Mirror), um die Server lahmzulegen. Danach folgte der internationale Haftbefehl (Mirror), die Löschung der wikileaks.org-Domain (Mirror), etwas Druck auf Wissenschaftler (Mirror) und Unternehmen (Mirror). Zum krönenden Abschluss gab’s dann noch die Überlegung amerikanischer Politiker, ob man Herrn Assange nicht gleich zum Terroristen erklären lassen sollte (Mirror). Last but not least: Der internationale Haftbefehl wurde ausgestellt wegen einer Vergewaltigung (Mirror). Weniger bekannte Quellen sprechen hingegen von einem geplatzten Kondom (Mirror).

Fazit IV:

  • Die Rote Linie ist überschritten, eine neue Qualität in Sachen Cyberwar ist erreicht.
  • Wenn Regierungen in dieser Weise Druck ausüben, mauscheln und den Boden des Rechtsstaats verlassen, wundert es mich nicht, wenn sich weltweit Netizens solidarisieren (Mirror).
  • Nur konsequent ist vor diesem Hintergrund der Tweet von John Perry Barlow: The first serious infowar is now engaged. The field of battle is WikiLeaks. You are the troops.

Eine spannende, besorgniserregende und zutiefst bemerkenswerte Entwicklung hat ihren Lauf genommen. Holzauge, sei wachsam!

Von hinten erschossen – Notwehr!

Freitag, April 30th, 2010

Heute vor einem Jahr geschah der Fall des Tennessee Eisenberg. Dieser junge Mann wurde in Deutschland von zwei Polizisten in Notwehr erschossen. So jedenfalls behaupten es die Polizisten. Diese Variante der Wahrheit wird jedoch zunehmend unwahrscheinlicher.

Spiegel Online berichtet heute:

Aus einem Polizeivideo, auf dem der nachgestellte Einsatz aufgezeichnet ist, ergeben sich jedoch ganz andere Indizien. So wurden die ersten drei Schüsse von hinten auf Eisenberg abgegeben. In dem Filmabschnitt erklären ein Gutachter des Landeskriminalamts und ein Schussexperte übereinstimmend, dass der Student in diesem Moment nicht, wie Zeugen angaben, mit dem Messer vor einem in die Ecke gedrängten Kollegen stand, sondern offenbar die Treppe wieder hinaufgehen wollte.

Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,692300,00.html

Der Fairness halber muss ich feststellen, dass eine Auswertung dieser Situation im nachhinein sicher sehr schwer ist. Die o.g. Sachverständigen könnten sich also auch irren oder die Fakten “falsch” interpretiert haben. Mag alles sein - aber gefühltermaßen scheint bei diesem Fall doch etwas mehr im Argen zu sein. “Wo Rauch ist ist auch Feuer” schrieb ich damals in meinem Blog und ein gutes Jahr später sehe ich den Rauch immer noch. Es stehen immer noch Anschuldigungen im Raum, die von der Staatsanwaltschaft nicht ausreichend entkräftet wurden.

Statement der Staatsanwaltschaft: Pressemitteilung vom 21.12.2009 zur Tötung von Tennessee Eisenberg am 30.04.2009 in Regensburg durch Polizeibeamte

Die bayerische Justiz wäre aus meiner Sicht gut beraten, diesen Fall noch einmal sauber aufzurollen. Es bleibt sonst der üble Beigeschmack, dass hier etwas Schlimmes heruntergespielt oder gar vertuscht werden soll.

Den Staat vom Leib halten

Mittwoch, Dezember 16th, 2009

gerhart-baumUm 20.15 Uhr lief heute in der Tagesschau ein Bericht über die Klage von ca. 34.000 Bundesbürgern gegen die Vorratsdatenspeicherung. In dem Beitrag kam auch ein gewisser Gerhart Baum zur Sprache, der in wenigen Worten zusammenfasste, was ich so kaum für möglich gehalten hätte.

Zur besten Sendezeit sagte er wörtlich: [Die Vorratsdatenspeicherung] “ist ein schwerer Grundrechtseingriff in unsere Privatheit. Wir haben keinerlei Anlass gegeben das der Staat unsere Daten sammelt. Wir müssen in diesem Land in der Lage sein, uns den Staat vom Leib zu halten, wenn wir uns ordnungsgemäß verhalten.

Jawohl, recht hat der Mann! Anstatt den Staat für alles und jedes persönliche Ungemach verantwortlich zu machen, sollte unser Anspruch genau in die andere Richtung gehen. Jeder Mensch möge sich so entfalten wie es ihm deucht – und nur wo es unbedingt geboten ist, sollte der Staat eingreifen. Unser Land braucht mehr Gerhart Baums, gerne auch noch stärker in der Öffentlichkeit. Wenn schon nicht im Fernsehen, dann wenigstens hier im Blog.

An dieser Stelle noch einen schönen Gruß an Stepro von Wikipedia.de. Stepro hat es geschafft, den o.g. Quote innerhalb von 2 Minuten zu löschen mit der Bemerkung “keine ausreichende Quellenangabe, nix tagesaktuelles einfügen”. Na, dann warten wir doch einfach noch ein paar Jahre ab, bis das Zitat gut abgehangen ist. Oder sollte ich stattdessen besser sagen: “wir müssen in diesem Wikipedia in der Lage sein, uns die Admins vom Hals zu halten, wenn wir ordnungsgemäß posten?” ;-)

Doris Kruse ist doof?!

Dienstag, August 18th, 2009

wdr_monitorKennen Sie Doris Kruse? Wohl kaum, denn eigentlich ist sie ein Noname. Doris ist Mutter einer Tochter, hat über zehn Jahre in verschiedenen Jobs gearbeitet… und seit Neuestem ist sie geistig behindert. Zumindest sagt das die Agentur für Arbeit. Eigentlich ist die Geschichte jetzt vorbei, Doris ist doof und Doris ist nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Soweit sogut.

Dummerweise kam die Geschichte aber der Redaktion von Monitor zu Ohren. Monitor recherchierte, machte einen hübschen TV-Beitrag und der Zuschauer rieb sich verwundert die Augen: Doris Kruse gab ein ganz normales Interview, sie wirkte nicht verrückt, die Nachbarn sprachen gut über sie und auch ihre Tochter schien irgendwie “normal”.

Vielleicht war die Agentur für Arbeit von Frau Kruse deshalb etwas irritiert, weil die gute Doris öffentlich bekannte, dass sie gerne Arbeiten wolle. Getreu dem Motto: Wer Arbeit kennt und sich nicht drückt, der ist verrückt.

Mein Fazit: Man glaubt es kaum, aber offenbar können die Arbeitsagenturen Menschen für Blöd erklären, sie in eine Behindertenwerkstatt abschieben und somit die Arbeitslosenstatistiken schönen. Die ethischen und sozialen Fragen bleiben dabei außen vor – wie so oft müssen Diener der Staatsmacht ja nicht für ihre Entscheidungen selber haften. Pfui!

Weiterführende Links:

  • Behindert nach Aktenlage: Wie Langzeitarbeitslose aus der Statistik verschwinden
  • Sendungsmanuskript als PDF, Diskussionsforum von Monitor
  • Videobeitrag + Diskussionsrunde auf Youtube

Modernes Denunziantentum

Donnerstag, August 6th, 2009

In Nordrhein-Westfalen gibt es einen (ehemaligen) Abteilungsleiter im Landesumweltministerium. Sein Name: Harald Friedrich.

Harald Friedrich wurde von seinem eigenen Ministerium angezeigt. Bandenmäßiger Betrug, Korruption und Untreue standen im Raum. Und ab da wurde es richtig abenteuerlich:

  • 40 Wohnungen wurden durchsucht
  • 2.000 E-Mails überwacht
  • 4.500 Telefonate abgehört
  • 11.000 Seiten Akten geschrieben

Am Ende kam heraus, dass Harald Friedrich ein paar Geschäftsessen nicht so angegeben hat, wie er es hätte machen sollen. Das Ganze bewegt sich im Bereich eines “Vergehens”… und ist keinesfalls eine Straftat, die diesen Aufwand gerechtfertigt hätte. Das Harald Friedrich ein ausgewiesener Kritiker des amtierenden NRW-Umweltministers Eckhard Uhlenberg ist, gibt der ganzen natürlich ein unschönes Geschmäkle.

Meine Meinung: Hier wurde der Staatsapparat genutzt um einen Regierungskritiker mundtot zu machen. Wie lässt sich sonst erklären, dass nach 40 Wohnungsdurchsuchungen lediglich ein paar lächerliche Currywurst-Bewirtungsbelege gegen einen Beschuldigten vorgebracht werden konnten?! Aufklärung muss her, sofort!

Mehr dazu:

Polizisten stürmen den Eisenberg

Freitag, Juli 17th, 2009

Die Medien haben sich kaum dafür interessiert, passiert ist es trotzdem: Am 30.04.2009 töteteten zwei Polizisten Tennessee Eisenberg, einen 24-jährigen Student aus Regensburg.

Die Geschichte kurz & knapp: Tennessee Eisenberg bedrohte offenbar einen Mitbewohner mit einem Messer. Die Polizei rückt an und will für Ordnung sorgen. Kurz danach fallen Schüsse, Tennessee Eisenberg stirbt.

Nun könnte man die Sache zu den Akten legen, denn letztlich ist dies doch “nur” das tragische Ende eines Polizei-Routineeinsatzes. So könnte man es meinen, aber ein paar Fakten stimmen nachdenklich:

  • Die Leiche weist keine Blutergüsse auf –  obwohl vor den Schüssen Pfefferspray und Schlagstöcke zum Einsatz gekommen seien sollten.
  • 2 Polizisten haben insgesamt 16 Schuss auf den Studenten abgegeben – und gaben anschließend an, sie haben in Notwehr geschossen.
  • Tennessee Eisenberg wurde von 13 Schüssen getroffen – Notwehr?!
  • Last but not least: 2 der 16 Schüsse trafen Tennessee Eisenberg in den Rücken! Merke: Notwehr = 11 Schuss vorne + 2 Schuss Rücken

Erstaunlicherweise lassen sich die beiden Schüsse in den Rücken nicht mehr klar nachweisen.
Man liest hierzu: Der “Schusskanal” sei nicht mehr sicher rekonstruierbar, da während der Organentnahme im Rahmen der ersten Obduktion die Spuren vernichtet worden seien.

Getreu dem Motto “wo Rauch ist, ist auch Feuer” liegt es für mich auf der Hand, dass hier etwas im Busch ist. Haben Rambo-Polizisten den Eisenberg gestürmt? Fühlten sich die ausgebildete Polizisten (33+40 Jahre) von einem messerschwingenden Studenten so krass bedroht, dass er auf diese Weise getötet werden musste? War es eine Hinrichtung oder doch “nur” eine Tragödie? Aufklärung tut Not, liebe Staatsanwaltschaft.

Ein wenig mehr zum Thema gibt es hier:

  1. http://www.sueddeutsche.de/H5D387/2970752/Ungereimtheiten-im-Fall-Eisenberg.html
  2. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,635740,00.html
  3. http://www.charivari.com/aktuell/meldungen/article/regensburger-staatsanwaltschaft-rechnet-bald-mit-ergebnissen-im-fall-eisenberg.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=33&cHash=31904b8607
  4. http://www.mittelbayerische.de/nachrichten/oberpfalz-bayern/bayern-oberpfalz-aus-der-mz/artikel/toedliche_schuesse_erneute_obd/425443/toedliche_schuesse_erneute_obd.html
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