60 Jahre Deutschland e.V.

Am 23.05.1949 trat das Grundgesetz in Kraft, mit ihm entstand die Bundesrepublik Deutschland. Ein „Leuchtfeuer der Freiheit“ wurde damals geschaffen, so sagte es heute unser aller Bundespräsident Horst Köhler. Doch trotz des Geburtstages blieb die Party aus, keine dreihundert Normalbürger und einige Bundespolitiker feierten den Staatsakt in Berlin. Die Kölnische Rundschau stellt daher auch zu Recht die Frage: „Warum feiern so wenig Deutsche hier?“ (Link / Archiv)

Ich selbst hatte von diesem Staatsakt auch nur zufällig erfahren, in meinem Kalender war tatsächlich kein rotes Kreuz wegen des BRD-Geburtstags hinterlegt. Trotzdem möchte ich die Frage der Köllner aufgreifen – warum also feiern hier so wenige?

Meine Meinung:

  • Es gibt wenig emotionale Verbundenheit mit Deutschland (=>gemeint ist: Patriotismus)
    In Deutschland war es ziemlich genau 40 Jahre lang nicht erwünscht, auf das eigene Land „stolz“ zu sein oder sich auch nur damit zu identifizieren. Diese Konditionierung ist noch in vielen Köpfen – vermute ich.
  • Das Übernehmen von Verantwortung  ist von uns nicht erwünscht
    Ich beobachte es täglich, dass wir im Herzen doch preußische Untertanen sind. Es gibt wahrlich eine große Zahl Menschen hier, die einfach nur wissen will, was sie machen soll. Wo soll ich mich anstellen? Darf ich hier parken? Ist hier noch frei? Mental an-gestellt, sozusagen…
  • Wir trauen uns nicht aus den kleinen Bahnen
    Im Kaninchenzüchterverein wäre ein 60jähriges Vereinsjubiläum ein Grund, richtig auf die Pauke zu hauen. Wahrscheinlich würden die meisten Vereine sogar deutlich mehr als 300 Gäste zur Geburtstagsfeier zusammen bekommen. Vielleicht liegt es daran, dass bei den Kaninchenzüchtern die Welt einfach noch etwas überschaubarer ist. Vielleicht fühlen wir Deutsche uns nur dann wohl, wenn wir ein Thema innerlich mit Maschendrahtzaun umfrieden können und somit dann genau wissen, was wir zu tun haben oder tun dürfen (siehe Punkt 2). So kommt es dann vielleicht auch, dass heute mein Nachbar seine Schalke-Fahne gehisst hat, aber eine Deutschlandfahne hier am Ort keiner aushängen wollte.
  • Das das alles so ist, liegt nicht an den Politikern!
    Nein, diesmal nicht. Der gemeine Politiker auf Bundes- oder Landesebene kann zwar zu Recht für allerhand Unfug benannt werden, aber das Desinteresse an der eigenen Nationen dürfen wir ihnen nicht in die Schuhe schieben. Dies ist nicht das Land der Politiker, sondern das des gesamten Volkes. Wobei: wer seine Teilhabe an diesem Land auf ein Wahlkreuz im 4-Jahres-Takt beschränkt, der wird meine Aussage wohl nicht nachvollziehen können.

Mein Fazit: Es ist paradox. Wir sind eine der erfolgreichsten Nationen der Welt, sind steinreich, super berechenbar, multi-kulti, ökologische Avantgarde usw., aber trotzdem scheint dies die Einheimischen kaum zu berühren oder zu interessieren. Ist jeder vielleicht nur noch mit sich selbst beschäftigt? Oder herrscht hier der Glaube, dass wir den Wohlstand auf immer und ewig gepachtet haben? Wir sind schon eine seltsame Nation…

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