Email-Expo 2011

Am 16.5.2011 fand in Frankfurt zum dritte Mal die Email Expo statt. Mit über 30 Ausstellern und drei Dutzend Vorträgen war die Messe bereits interessant – doch die Veranstalter setzten noch etwas drauf: Erstmals standen die Themen „Search“ und „UX“ (Usability, Experience & Joy) mit der Agenda. Klasse, dadurch wurde die Veranstaltung richtig rund!

Begrüßt wurde ich von zwei übereifrig winkenden Parkplatzwächtern, da war gleich gute Stimmung auf dem Parkplatz. Kurz darauf stellte sich heraus, dass sich die beiden weniger auf meine Ankunft sondern mehr über die 13€ Parkgebühren gefreut hatten… aber gut, dass lies sich verschmerzen.

Email Expo Agenda

Über 20 Vorträge beschäftigten sich mit Success Stories, Performance Marketing und die geschickte Verknüpfung von Social Media, E-Mailmarketing und Suchmaschinenoptimierung. Klasse: reine Werbeveranstaltungen kamen im gesamten Vortragsprogramm (fast) nicht vor – und selbst den Beitrag von United Internet fand ich unterhaltsam 🙂

Search & UX Expo

Der kleinere Teil der Expo beschäftigte sich mit SEO und SEM/SEA. Hier habe ich insbesondere mitgenommen, dass das „klassische“ Backlink-Building der SEO-Greyhats nicht mehr das allein seligmachende Patentrezept für ein gutes Ranking ist. Personalisiertes Ranking (Google) und die neuen Suchalgorithmen von Bing USA werden die Veränderung bringen.

Klickraten

Mit Zahlen wurde auf der Messe nicht gegeizt. In einer der ausliegenden Studien stellte der Autor fest, dass ein Standalone-Mailing an 160.000 Adressen immerhin noch eine Öffnungsrate von 24%, eine Klickrate von 2,2% und eine Konversion von 1,2% erzielte. Die Öffnungsrate kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen – bei B2B Standalone-Mailings kommen wir auch in diese Region.

Betreffzeilen

In der Firma wurde das Thema kürzlich heiß diskutiert und auch auf der Messe war darüber einiges zu hören. A/B-Testing empfahlen vielen, aber auch zur optimale Länge gab es ein paar Statements. Fazit: 38 Zeichen sollten genug sein für die Überschrift, maximal 47 – wobei man dann schon diverse Mobilgeräte erfolgreich an ihre Grenzen gebracht hat.

Nachfass bei Nichtbestellern

Konzeptionell sind sich die Anbieter einig, die persönliche E-Mail ist ein Verkaufsschlager. Sei es der Nachfass aufgrund einer nicht zuende gebrachten Shopbestellung oder eine Erinnerungsmail, weil aus dem letzten Newsletter nichts bestellt wurde: die Reaktivierung von Kunden ist ein großes Thema. Spannend: die Akzeptanz der Endkunden gibt den Shopbetreibern recht – Endkunden wollen reaktiviert werden und kaufen dann auch. Allein beim Datenschutz hapert es mal wieder, eine praxistaugliche Regelung ist immer noch in weiter ferne.

Mittagspause

Leider gab’s für das Wetter keinen Blumentopf zu gewinnen, aber immerhin war das Umfeld recht positiv. Ein bisschen Grün, ein paar Bänke, etwas Wasser und Ruhe lies sich problemlos um die Expo herum finden. Kompliment an die Messebetreiber, gut geplant.

Wer in der Mittagspause weder Natur noch Brötchen genießen wollte, konnte sich zwischenzeitlich an der Twitterwall erheitern. Gerüchten zufolge twittern zwar fast nur die Teilnehmer der Such-Expo, aber den ein oder anderen Schmunzler brachten sie trotzdem zustande.

Relevanz

Damit E-Mails von ihren Empfängern gelesen werden, müssen sie für den jeweiligen Empfänger relevant sein. Soweit so einfach. Doch wie sagte einer der Referenzen: „Für Relevanz brauchen Sie eine Menge Daten“. Da waren sich die Referenzen einig: reine Standalone-Mailings vom Schlage fire-and-forget mögen für die Einladung zur Hausmesse ganz nett sein, echtes Mailcommerce ist damit jedoch nicht zu machen.

Tracking

Womit wir beim leidigen Thema Tracking angekommen sind. Auch wenn es sich keiner so direkt zu sagen traute, aber der Datenschutz nach deutschem Verständnis steht im Widerspruch zu den Erfordernissen eines modernen E-Mailmarketings. Double-Opt-In hat die Branche dem Datenschutz noch zugebilligt, beim Tracking hört der Spaß jedoch auf. Das Problem: solange Amazon&Co personaliertes Tracking bis zum Exzess betreiben, wird der streng ausgelegte hiesige Datenschutz zum Wettbewerbsnachteil für Etailer. Ob der Datenschutz refomiert wird, mag ich nicht zu sagen – faktisch ist er in Teilen der Branche bereits obsolet.

Konversion

Relevanz, Tracking, Konversion – alles verschiedene Aspekete derselben Sache. Einer der Referenzen brachte es auf den Punkt: „Normalerweise liegt die Konversion bei maximal 3%. Aber wenn Sie wissen, dass bald Winter ist und ihr Kunde einen VW fährt, dann schaffen Sie mit Discount-Winterreifen für einen VW auch 6% Konversion.“

Fazit: Wer Relevanz haben will, muss Kundenprofile bilden, Daten aggregieren und daraus Rückschlüsse ziehen.

SWYN

Soso… SWYN. Musste erst zweimal hingucken, bis ich’s verstanden hatte: SWYN = Share with your Network. Es ist der Oberbegriff für die Facebook & Twitter Buttons in E-Mails. Interessant: Beim SWYN habe ich auch erstmals funktionale Unterschiede in den verschiedenen E-Mailmarketing Suiten bemerkt. Alle Lösungen können Content auf Twitter und Facebook publizieren, keine Frage. Beim Contentpush auf Xing sieht’s hingegen schon dünner aus – und auch das Vertwittern oder Like’n von einzelnen Beiträgen innerhalb eines Newsletters bekommt nicht jeder hin.

Facebook, Twitter & E-Mail

Eine weitere Studie hat ergeben: Wer Social Media mag, der hat’s auch mit E-Mail. Warum? Facebook, Twitter & Co melden sich permanent per E-Mail. Neue Follower, Kommentare, Check-your-Track uvm. ist den Betreibern stets ein willkommener Grund, den Nutzer zu informieren. Aprops Nutzer: Ein Referent von United Internet hat verkündet, dass es rund 2,9 Milliarden Mailaccounts und gut 1,9 Milliarden E-Mail-Nutzer weltweit gibt. Passend dazu gab’s einen Hieb auf Facebook, frei nach dem Motto: mal sehen, ob die auch in diese Größenordnungen kommen.

Preise durchsetzen

Am Rande der Veranstaltung stieß ich auf ein Management Summary vom iBusiness-Verlag. Dort sprach Joachim Graf ein interessantes Thema an: den Pro-Kopf-Umsatz in der Internet-Branche. Seine These: Die Interaktiven können keine ausreichenden Honorare am Markt durchsetzen, weil ihnen dafür in der Mehrzahl die richtigen Leute fehlen. Recht hat er – es sagt nur leider keiner so direkt.

Zuspruch

Das Interesse an der Veranstaltung war wahrlich gewaltig. Sämtliche Vorträge waren permanent voll belegt – was aber hoffentlich nicht ausschließlich an den mangelnden Sitzgelegenheiten lag. Für eine Fachkonferenz waren ein paar Vorträge etwas zu einfach, andererseits wurde es dadurch aber sicherlich für die „normalen“ Unternehmenskunden etwas einfacher.

Unterm Strich bleibt ein guter Tag in Frankfurt, ein paar Kontakte und jede Menge Anregungen. Gerne wieder!

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