Klare Sprache, bitte!

Heute morgen las ich in der Zeitung ein Zitat von Philipp Rösler, dem Bundesvorsitzenden der FDP. Der gute Mann ließ im Kontext mit der verlorenen Landtagswahl in Berlin ausrichten: „Es ist unbestritten vielleicht die schwierigste Situation für die FDP seit ihrem Bestehen“. Aha!

Leute, wenn ich so einen Mist lese, wird mir übel. Was ist denn das bitteschön für eine Sprache? Es ist unbestritten vielleicht die schwierigste Situation für die FDP… mag sein. Eventuell ist es aber auch unbestritten vielleicht die schönste Situation. Vielleicht ja, vielleicht nein, wer will das schon sagen.

Doch ich kann unserem Bundes-Flippi keinen Vorwurf machen, denn Kanzlerin Mutti ist ja kaum besser. Die stellte sich gestern Abend in Alsfeld vor die Hessen-CDU und erzählte im Kontext der Euro-Krise: „es gibt die historische Erfahrung, dass Länder, die eine Währung haben, nie mehr Krieg gegeneinander führen“. Herrje, was soll denn das? Zum einen ist es sachlich falsch (Stichwort: Mali und Burkina Faso 1985), doch viel schlimmer noch: der Umkehrschluss ist einfach grottig. Will Frau Kanzlerin etwa allen ernstes behaupten, dass die Griechen Krieg gegen Deutschland führen, sobald sie aus dem Euro raus sind? Falls ja, dann soll sie es doch klar sagen, anstatt sich mit sachlich falschen Behauptungen zu profilieren.

Lieber Leser, der Wunsch, sich durch eine wachsweiche Rhetorik möglichst stressfrei durchs Leben lavieren zu können, ist verständlich, aber wenig förderlich. Meiner Wahrnehmung nach erschrickt heute schon der ein oder andere, wenn man selbst einen klaren Dafür/Dagegen-Standpunkt einnimmt. Beispiele finden sich überall, sei es im Privaten wie auch im Beruf. Wo man ohne Standpunkt landet, erlebt die FDP ja gerade sehr plastisch mit ihren 1,8 Prozent vor dem Berliner Landtag (drin sind sie ja nicht mehr). Unsere Gesellschaft und unser Land braucht Standpunkte, also los: ich bin für klare Standpunkte.

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