Dark Cloud

Heute hatte ich das zweifelhafte Vergnüngen, die dunkele Seite der Cloud kennenlernen zu dürfen.

Es begann mit Steam. Steam ist eine US-amerikanische Spieleplattform, über die man ziemlich komfortabel Spiele kaufen und verwalten kann. Trotz anfänglicher Skepsis (vor einigen Jahren) nutze ich Steam mittlerweile gerne. Es funktionierte bisher eben einigermaßen streßfrei. Bis heute. Warum? Steam hat ein Update seiner Nutzungsbedingungen herausgebracht und dabei – offenbar nicht nur aus meiner Sicht – die Kunden des Unternehmens stark benachteiligt. Die Frage, ob ich die neuen Nutzungsbedingungen akzeptiere, habe ich natürlich verneint. Und die Konsequenz? Ich komme nicht mehr an meine Daten heran. Richtig gelesen: alle von mir bezahlten Programme (>100€) sind nicht mehr zugänglich, weil ich die neuen Bedingungen des Plattformherstellers Valve nicht akzeptieren wollte. Nach deutschem Rechtsverständnis kommt dessen Verhalten einer Mischung aus Nötigung und Erpressung gleich – aus US-amerikanischer Sicht stellt sich das freilich anders dar (nehme ich an).

Nachdem mir der Weg ins Steam versperrt war, riskierte ich einen Blick ins alte Starcraft II. Das recht unterhaltsame Spielchen hat zwar auch eine Cloud-Komponente, doch ich wollte ja „nur“ offline eine Runde gegen den Computer antreten. Es war als Ersatz ob des Steam-Frusts gedacht, doch es kam ganz anders: Starcraft II begrüßt mich sinngemäß mit den Worten „lieber Andreas, ein neuer Patch ist herausgekommen, du musst jetzt erstmal 1.5 Gigabyte Daten über deine lahme Funk-DSL-Verbindung herunterladen. Aber hey, wir haben jetzt dieses tolle neue Feature eingebaut, was dir erlaubt, bereits während des Patchvorgangs spielen zu können. Probier es aus!“

Zugegeben: der Informatiker in mir wusste, dass das mit diesem tollen neuen Streaming-Feature nichts werden kann. Doch die Neugier siegte und ich startete während des Patchvorgangs die Anwendung. Und wer hätte es gedacht: sie flog mir um die Ohren. Videosequenzen wurden immer langsamer, es laggte gewaltig und nach einem Neustart der Anwendung hielt diese sich für einen Beta-Patch und verweigerte mir den Zugang zum Programm.

Und die Moral von der Geschicht‘? Zwei „banale“ Cloudanwendungen haben mir hier an einem Tag gezeigt, wie heikel das Thema Cloud ist. Heute ging es um ein paar belanglose Spiele – sei’s drum. Morgen aber könnte es um Termine, Kontakte, Mails oder Telefonanrufe gehen. Vielleicht wird einem der Zugriff auf die Daten „nur“ verweigert, so wie heute bei Steam. Vielleicht werden die Daten aber auch durch Softwarefehler kaputtgemacht, so wie eben bei Starcraft II. Wie auch immer: wer mit Cloud-Diensten arbeitet, ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass der Hersteller keinen Unsinn macht. Diese Zuversicht hat bei mir mit dem heutigen Tage einmal mehr gelitten.


2 Kommentare zu “Dark Cloud

  1. Pingback: Steam: erdrückende Dynamik | pricingblog

  2. Pingback: Andreas Ditze – Querbeet durchs Internet » Blog Archive » Wie Steam den Softwaremarkt aufmischt

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