Fakten: unerwünscht – Rückblick auf ein Jahr Energiewende

Ich war dabei, als wir vor gut einem Jahr die BI Windkraft Wetter aus der Taufe gehoben haben, um die Planung des Windparks vor unserem Dorf kritisch zu begleiten. Hätte ich damals geahnt, wohin mich dieser Weg führt, hätte ich es wahrscheinlich gelassen.

Örtliche Schelte

Wer im Schatten der Ereignisse von Fukushima kritische Töne gegenüber der Windkraft oder einem Windpark verlauten lässt, gilt als reaktionärer Ewiggestriger – das ist offenbar menschlich und unvermeidbar. So fing es an.

Stellt man trotzdem noch Fragen, lernt man schnell die Interessen der Leute kennen. Eine Klageandrohung aus dem Nachbardorf, vorgeschobene Datenschutzbelange auf dem Amt, erboste Landbesitzer die sich um viel Geld gebracht sehen.

Energiewende für den Machterhalt

Die Energiewende war bereits im Bundestagswahlkampf 2009 – also Jahre vor Fukushima und unserer BI – ein Thema. Damals sprach die Regierung davon, dass unsere Atomkraftwerke noch so lange laufen sollten, bis die Energiewende gestemmt werden könne. Es ging um Laufzeitverlängerung, Speichertechnologien und Netzausbau. Sie nannten es Brückentechnologie.

Nach Fukushima wurde „die Energiewende“ kurzerhand neu definiert. Kanzlerin Merkel, die immer für eine Überraschung gut ist, musste sich gegen die Atomkraft stellen, sie fürchtete die nahenden Landtagswahlen. Kraftwerke wurden stillgelegt, milliardenschwere Regressforderungen in Kauf genommen, Ökostrom in den Markt gedrückt.

Korruption und Desinformation

Mittlerweile gibt die Bundespolitik zwar zögerlich zu, dass sie noch keinen Plan hat, wie die Energiewende konkret laufen soll – bekräftigt aber, dass sie trotzdem laufen muss. Die Landkreise und Kommunen unterstützen diese Wende ebenfalls, mal aus politischer Ideologie, zumeist aber aus Geldnot: kurzfristig erhofft man sich Pachteinnahmen, langfristig will man durch eigene Energiegenossenschaften großes Geld verdienen.

Aussicht auf schnelles Geld haben auch die Naturschutzverbände. Eine Gruppe des NABU klagte kürzlich gegen einen Windpark. Vom Aussterben bedrohte Rotmilan-Vögel sollten vor den Rotoren geschützt werden. Als der Windpark-Betreiber 500.000€ an eine Stiftung des NABU überwies, wurde die Klage zurückgezogen. Dieses Geschäftsmodell kennt auch bereits der BUND. Rotmilane kreisen auch über Mellnau.

Und dann gibt es da noch die Medien, die uns täglich auf breiter Front indoktrinieren, wie wichtig die Energiewende ist. Schaut man hinter die Kulissen, stellt man fest, dass manche Meinungsmacher dieses Spielchen durchaus durchschauen, sich aber letztlich trotzdem nicht trauen, gegen die Energiewende anzuschreiben. Zu groß wähnt man den damit verbundenen Ärger, zu viele Fakten scheinen unerwünscht.

Abseits der offiziellen Wahrheit

Insbesondere in der ausländischen Presse wird die German Energiewende kritisch beäugt. Dort werden auch Informationen thematisiert, die es nicht in unsere etablierten Medien schaffen:

  • Damit wir auch bei Windstille genug Strom haben, bauen wir seit zwei Jahren Kohlekraftwerke wie die Weltmeister. Konsequenz: die deutschen Treibhausemmissionen haben sich letztes Jahr um 1,6% erhöht.
  • Bis 2020 will unsere Regierung 2.000 Windkraftwerke auf See installieren. Bisher sind es nur 50 – und die sind nicht mal vollständig an das Stromnetz angebunden. Den theoretisch produzierten Strom zahlen wir trotzdem.
  • Das Problem Infraschall kennt man im Ausland, in Deutschland wird es aufgrund der dichten Besiedlung schlichtweg unterdrückt. So kommt es, dass der Mindestabstand einer 150m hohen Windkraftanlage zur Wohnbebauung andernorts sehr viel höher ist als hier. In Australien und den USA sind es 2km, in England 3km. Bei uns: zwischen 600m und 1km.
  • Die Weltgesundheitsorganisation WTO weist seit Jahren darauf hin, dass in Deutschland der Schalldruck einer Windkraftanlage zu einfach berechnet wird. Legt man das Verfahren der WTO an, ist der Schalldruck rund 20 dB lauter – was auch nach „deutscher“ Lesart eine Schädigung der Anwohner darstellen würde. Windparks im Binnenland wären dann kaum mehr genehmigungsfähig.
  • Unsere Atomkraftwerke sind zwar vom Netz, Deutschland ist aber weiterhin von AKWs umgeben. Sei es im Erdbebengebiet Rheingraben, an der tschechischen Grenze oder an 150 anderen Standorten in Europa.

Wir brauchen eine Energiewende, aber nicht wegen des bösen Atom-Stroms oder des ominösen Klimawandels. Wir brauchen eine Wende, weil die fossilen Brennstoffe zur Neige gehen. Doch um das zu erreichen, bedarf es eines Konzepts vom Kaliber eines europaweiten Marshall-Plans statt machtpolitisch motivierter Schnellschüsse auf nationaler Ebene.

Kurt Tucholsky sagte einmal, dass nichts schwerer sei, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden – und damit hat er Recht. Doch wir müssen diesen Gegensatz jetzt suchen, denn es gilt auch ein Ausspruch von Reinhold Messner: „Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: die Natur.“

Nach einem Jahr aktiver BI-Arbeit muss ich für mich persönlich feststellen: wir brauchen eine Energiewende, doch die jetzige ist vom Ansatz her falsch.

Und Sie?


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