Schulterkameras bei der hessischen Polizei

Die hessische Polizei hat im letzten Jahr getestet, ob der Einsatz von Schulterkameras („Bodycams“) den Arbeitsalltag der Polizisten erleichtert. 13 Kamerasysteme waren in dieser Zeit angeblich im Einsatz. Am des Versuchszeitraums wurde verglichen, ob bei Einsatzteams mit Kamera weniger Eskalation (z.B. Schlägereien) oder gar verletzte Beamte zu verzeichnen waren.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) stellte dazu nun am 1. Oktober 2014 das Ergebnis des Feldversuchs vor. Wenig überraschend stellte er fest, dass der Einsatz der Bodycams sich gelohnt habe – sprich: es kommt zu weniger Gewalt. Logischerweise soll der Einsatz der Bodycams daher ausgebaut werden, von 13 auf 72 Kamerasysteme. Soweit, so gut.

Traue keiner Statistik…

Überraschend wird es, wenn man die Zahlen genauer betrachtet.

  • Fakt ist, dass die Angriffe gegen Polizeibeamte von 3300 im Jahr 2012 auf 3016 im Jahr 2013 zurückgegangen sind.
  • Fakt ist aber auch, dass die „Kamerateams“ der Polizei stets zu dritt oder viert auf Streife gingen – statt wie bisher zu zweit. Ein Polizist trägt die Kamera und beobachtet im Einsatz die Szenerie, der Rest arbeitet ganz normal.
  • Obwohl in 2013 in den Kamerateams mehr Streifenpolizisten als gewöhnlich unterwegs waren, wurde das Personal nicht aufgestockt.
  • D.h. im Umkehrschluss: es müssen weniger Touren abgewickelt worden sein.

Quelle: http://www.op-marburg.de/Nachrichten/Politik/Hessen/Hessen-weitet-Einsatz-von-Schulterkameras-fuer-Polizisten-aus

Erkenntnis

Man darf dem hessischen Innenminister durchaus glauben, wenn er die deeskalierende Wirkung einer Kamera bekundet. Es muss aber auch die Frage gestellt werden, ob dasselbe Streifenteam ohne Kamera den Einsatz nicht auch ohne Kamera deeskaliert hätte, wenn statt zwei auch dort vier Beamte im Einsatz gewesen wären.

Falls es dabei bleibt, dass Kamerateams mit doppelter Beamtenanzahl unterwegs sind, muss das – bei gleicher Personalstärke – dazu führen, dass insgesamt weniger Streifen gelaufen werden. Im Ergebnis heißt das, dass die hessischen Polizeibeamten im Einsatz zwar besser geschützt sind (im Sinne des Video-Beweismittels gegen den Bürger). Es heißt aber auch, dass wir Bürger weniger gut geschützt sind, weil insgesamt weniger Streifen gelaufen werden. Wenn man dann noch bedenkt, dass die grundsätzliche Kritik an Bodycams immer noch unbeantwortet ist (was passiert mit Videomaterial, dass Fehlverhalten von Beamten zeigt?), bleibt mir nur die Feststellung, dass der derzeitige Bodycam-Einsatz nicht im Sinne der Bürger ist.

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