Wie ich über Nacht zum Hühnerbesitzer wurde

Es gibt Momente im Leben, die kannst du nicht planen. Die passieren einfach. So auch diesmal.

Gottfried kommt

Gottfried ist einer unserer Dorfältesten. Er ist passionierter Jäger, Ehrenmitglied bei den Schwarzen und trotz seines fortgeschrittenen Alters auf jeder Bürgerversammlung mit dabei. Wir kennen uns nicht besonders lang, aber wir schätzen uns. Ach ja, Gottfried hat außerdem einen Fischteich bei uns am Ort. Und dort beginnt die Geschichte der Ditze’schen Hühnerfarm.

Pfingstsamstag 2015: die Familie hat sich zu einem gemeinsamen Videoabend eingefunden (Tinkerbell). Mitten im Film, so ca. gegen 19.30 Uhr, klingelt es an der Haustür. Gottfried ist da. Es entspannt sich ein Dialog:

Gottfried: „Andreas, du müsstest mal die Hühner am Fischteich abholen“
Ich: „Hallo Gottfried. Was? Welche Hühner“
Gottfried: „Da hat einer ein paar Hühner und Enten am Fischteich ausgesetzt. Die Jungs von der Burschenschaft haben die grad eingepfercht, aber da können sie nicht bleiben.“
Ich: „Ich habe doch gar keinen Hühnerstall.“
Gottfried: „Ach, bei dir hinterm Haus ist doch noch Platz dafür.“
Gottfried: „Und außerdem… wenn du die nicht holst, holt sie der Fuchs. Ein Huhn wurde schon gerissen.“

Noch während Gottfried das Ableben der Hühner ausleuchtete, trat meine ältere Tochter in den Dialog mit ein. Es versteht sich natürlich von selbst, dass kleine Kinder wenig Verständnis für das mutwillige Ableben von Federvieh aufbringen.

Was nun passierte, war sonnenklar: da ich mich stets gegen Tiere im Haus (=>Haustiere) geweigert hatte, argumentierte Tochter #1, dass Hühner ja nur „am Haus“ wohnen und nicht im Haus. Lange Rede, kurzer Sinn: die Damenwelt in meinem Haus signalisierte, dass Hühner und notgedrungen auch Enten grundsätzlich willkommen seien.

In diesem Moment hatte ich noch die Hoffnung, durch ein paar Telefonate mit ortsansässigen Bauern ein Ausweichquartier für die Tiere zu finden. Es zeigte sich jedoch, dass alle Bauern am Pfingstsamstag gegen 20 Uhr entweder schon im Bett lagen oder einfach nicht zu Hause verweilten. Der Kelch wollte nicht weiterwandern.

Pfingstsonntag: Taten statt Warten

Eine Gruppe Jugendlicher aus der örtlichen Burschenschaft hatte die Nacht über am Fischteich gezeltet und darauf geachtet, dass den Tieren nicht passierte (Besten Dank an Niklas & Co). Doch das Lager sollte gegen Mittag geräumt werden, jetzt galt es zu handeln – und sich Verstärkung zu organisieren.

Wir hatten Glück: eine Familie in der Nachbarschaft (Hallo Michael und Marina) erkannte den Ernst der Lage und stellte sich als Ersthelfer zur Verfügung. Von ihnen kam auch der Tipp, dass im Dorf ein nicht mehr benötigter Kaninchenstall herumstand. Der Stall selbst war zwar kein dauerhaftes Hühner-Domizil, aber als Notunterkunft allemal in Ordnung. So war zumindest sichergestellt, dass wir kurzfristig die Tiere am Fischteich abholen konnten.

Das „Abholen“ der Tiere gestaltete sich dann etwas komplizierter als erwartet. Die Hühner und Enten waren dort zwar in einem übersichtlichen Pferch eingesperrt, allerdings hatte keines der Tiere übermäßige Lust, sich einfangen zu lassen. Vier Hühner waren zwar recht schnell gefangen und auf Pappkartons verteilt, doch die drei Enten verspürten einen großen Freiheitsdrang und hielten uns ziemlich lange auf Trapp. Um es kurz zu machen: 4 Hühner und 2 Enten waren nach 45 Minuten einkassiert, die letzte Ente hielt uns noch über eine weitere Stunde zum Narren, ehe wir abbrachen und sie in Ruhe ließen – sie ist bis heute in Freiheit.

Die Stunde der Bastler

Am frühen Nachmittag waren die Tiere zwar in einem Kaninchenstall am Haus, aber das allein konnte ja noch nicht alles gewesen sein: ein Auslauf musste her. Gottfried hatte eine passende Stelle im Garten bereits ausgewählt und auch gleich noch eine Rolle Zaundraht spendiert. Hurra.

HühnerfarmMichael, Marina, meine Frau und ich wickelten kurzerhand den Draht um die – selten genutzten – Wäschestangen im Garten. Das Ergebnis war zwar kein optisches Highlight, aber immerhin zweckmäßig.

 

Mit ein paar Planen, Heringen, Holzresten und Kabelbindern zauberten wir gemeinsam unser erstes Hühnerquartier.

Der Hühnerhausplan

In den folgenden Tagen beschäftigte sich das Haus Ditze vermehrt mit den existenziellen Fragen des Hühnerlebens. Dabei erarbeiteten wir uns, dass der natürliche Feind des Huhns der Marder ist – der Begriff „mardersicher“ sollte sich kurze Zeit später als Platzhalter für eine besonders aufwendige Bauweise entpuppen.

In den folgenden Tagen wurde also ein Plan gefasst:

  1. Kurzfristig sollte der Kaninchenstall wetterfest gemacht werden.
  2. Mittelfristig – also noch im Sommer – wird ein gescheiter Hühnerauslauf gebaut.
  3. Langfristig – gemeint war die Zeit bis Oktober – sollte ein Hühnerhaus angeschafft werden, vorausgesetzt die Hühner würden den Sommer überstehen (keiner konnte uns sagen, wie alt die Tiere überhaupt sind)

Auch wenn der Plan recht überschaubar klingt, will ich nicht verhehlen, dass ich heilfroh darüber war, dass wir dieses Jahr keinen Sommerurlaub geplant hatten. Wer schonmal handwerklich tätig war, kann sich mit wenig Fantasie ausmalen, dass der Hühnerhausplan mehr als ein arbeitsreiches Wochenende mit sich bringen würde.

Als sei die Errichtung eines solchen Bauwerks nicht Herausforderung genug, stellte sich auch der Freiheitsdrang einer unserer Enten als besondere Herausforderung dar.

Schnell wurde klar: die Baumaßnahmen im Garten müssen zügig anlaufen.

Wer in den 80er aufgewachsen ist, kennt Tim „Den Heimwerkerkönig“ Taylor. Dieses Idol aller Handwerker stand auch mir Pate, als ich mit geradezu jugendlichem Leichtsinn darüber nachdachte, dass doch „ein paar Bretter und Rundhölzer“ für so einen Hühnerauslauf ausreichen müssten. Grober Fehler! Nichts desto trotz: frohgemut machte ich mich auf, im örtlichen Baustoffhandel einzukaufen.

Trotz der zahlreichen Baustoffe gelang es mir nicht, den „Problemerpel“ hinreichend zu beeindrucken. Am nächsten Morgen stand er wieder vor dem Gehege.

Der große Hühnerhaus-Plan und die Realität kollidierten beinhart. Da ich unter der Woche nicht zum handwerken komme, bleiben nur die Wochenenden. Blöd nur, wenn man in diesen kurzen Zeitabschnitten mehr Energie auf die Entenjagd denn aufs Arbeiten verwendet…

Der Sommer ist da – und schlägt zu

Mitte Juni war es dann soweit: das Wetter blieb stabil, ein paar Urlaubstage nahten und fast schien es, als würde der Bau des Hühnerauslaufs endlich signifikant voran kommen.

Doch wie gewonnen, so zerronnen…

Kaum war der Dauerregen fort, schaltete der Sommer wieder auf Vollgas. Und erwischte mich kalt: der improvisierte Kaninchenstall war zwar abgedeckt und hatte auch große Schattenflächen, aber warm war es natürlich schon im Garten… an einigen Tagen lagen wir deutlich über 35 Grad.

Und so kam es, wie es kommen musste. Ich kam gerade von der Arbeit und steuerte direkt auf einen Schul-Elternabend zu, als Nachbarin Julia mir die traurige Nachricht überbrachte: eines der Hühner war entschlafen…

Huhn Susi legte zwar – soweit wir das mitbekamen – keine Eier mehr, aber dennoch war der Verlust ein herber Rückschlag. Ich ärgerte mich, dass die Baumaßnahmen so langsam voran kamen und beschloss, dem Thema mehr Tempo und Material zu widmen. Diesmal ließ ich das Material direkt vom Händler anliefern.

#HühnerfarmBER entsteht

Seit 6 Wochen bin ich jetzt Hühnerfarmer, doch der bauliche Fortschritt hinterm Haus hält sich in engen Grenzen. Zwar ging auch viel Zeit dafür drauf, die Hölzer zu bestreichen und wetterfest zu machen, de facto waren das aber alles Arbeiten, die keinen Baufortschritt erkennen ließen. Das blieb natürlich auch den Freunden des Hauses nicht verborgen – und in Anlehnung an das missglückte Flughafenprojekt in unserer Bundeshauptstadt fragte mich jemand aus dieser Runde, ob denn die Hühnerfarm langsam sowas wie der Flughafenbau von Mellnau sei. Die #HühnerfarmBER war geboren (Credits to Nils).

Das Wetter dieser Tage war einigermaßen binär. Entweder vollen Sonnenschein und 35 Grad im Schatten oder Dauerregen. So dauerte es dann doch wieder zwei Wochen, bis es endlich im Garten vorwärts ging.

Tipp: wenn man ein 2m x 4m großes Element mit engem Volierendraht einfach so im Garten aufstellt, ist die heimische Vogelwelt kurzfristig etwas irritiert. Soweit ich das erkennen konnte, ist aber kein Spatz zu Schaden gekommen…

Tipp 2: Wenn man Winkeleisen, Holzschrauben oder Unterlegscheiben in größeren Mengen braucht, stellt die der örtliche Baustoffhändler gerne bereit. Preislich liegt der aber durchaus auch mal Faktor 2 über dem Internet-Tarif. Klar, der Fachmann bestellt dann natürlich (politisch korrekt) online – und kassiert prompt wieder einen Rückschlag.

Nahezu in Zeitlupe errichtet sich in den folgenden Tagen der mardersichere Hühnerauslauf im Garten.

Während die Bauarbeiten auf einmal spürbar voran kommen, protokollieren die Damen von der Tierversorgung eine Anomalie im hühnerbevölkerten Kaninchenstall. Leider maß das Management zu diesem Zeitpunkt der Anomalie nicht die nötige Aufmerksamkeit bei… mit dramatischen Konsequenzen, wie sich ein paar Tage später herausstellen sollte.

Statt sich mit Vollüberwachung oder engerem Draht zu beschäftigen, trat ich einen zweiwöchigen Urlaub an und setzte die Bauarbeiten am Dach des Hühnerauslaufs fort. Der Auslauf sollte ja „mardersicher“ sein – und dazu zählt natürlich auch der Schutz von oben.

Kleiner Spaß am Rande: während ich das Dach baute, hörte ich nebenbei ein paar Podcasts von Jung & Naiv. Wer das Format nicht kennt: der Podcast beinhaltet bspw. die vollständig aufgezeichnete Bundespressekonferenz – was durchaus auch mal 2h Polit-Sprech am Stück bedeutet. Zwischenzeitlich kam mal einer der Nachbarn vorbei und fragte mich, was das denn für ein abgefahrenes Programm sei – so ganz ohne Musik, Nachrichten und Unterhaltungswert… 🙂

Tatsächlich fanden sich ein paar Nachbarn (Danke an Laurenz, Jörg und Matthias) und am Abend des 24. Juli war der neue Hühnerauslauf an 3 von 5 Seiten dicht. Das neue Hühnerglück schien zum Greifen nahe.

Ich bin Informatiker und muss damit leben, dass wir einem Fluch unterworfen sind: wenn wir ein Problem theoretisch (= so gut wie) gelöst haben, müssen wir uns zwangsläufig mit neuen Problemen beschäftigen. Anstatt also nun das Gehege einfach fertig zu machen, wurde erstmal darüber nachgedacht, dass ja an das Gehege ein Hühnerhaus angedockt werden könnte.

Während ich im Kopf schon im Hühnerhaus steckte, erlaubte sich das Schicksal einen üblen Scherz mit mir – und spielte mir einen Link zu einem Anti-Nagetier-Kraut zu. Ich begriff zu spät, was es mir damit sagen wollte.

Schadnager vs. Hühnerfarm, 1:0

Sonntag, der 26. Juli 2015, begann für mich gegen 9 Uhr mit einem Alarmstart. Meine ältere Tochter rief in voller Lautstärke „Wina ist tot“ durchs Haus und machte es noch schlafenden Erwachsenen völlig unmöglich, diese Diagnose auch nur eine Minute zu ignorieren. Leicht ungläubig stapfte ich zur Hühnerfarm, um mich selbst zu überzeugen.

Tatsächlich. Während Huhn Susi friedlich entschlafen war, blieb dieses Glück dem bunten Huhn Wina versagt. Fotos von diesem Ereignis gibt es keine, aber der geneigte Leser möge mir glauben wenn ich sage, dass ich mich ziemlich angefressen fühlte – und Wina dieses Gefühl im Laufe der Nacht auch verspürte.

Einer der Nachbarn sagte mir, er hätte gegen 4.30 Uhr ziemlich viel Getümmel von der Hühnerfarm gehört. Und außerdem hatte er auch schon ein Wiesel bei sich entdeckt.

Mit dem Auftauchen des todbringenden Nagetiers wurde ein Problem offenbar: das alte Gehege war nicht mardersicher, das neue Gehege war noch nicht fertig. Ein neuer Plan musste her. Kurzerhand entschloss ich mich, die noch offenen Seiten des Hühnerauslaufs provisorisch abzudichten. Jetzt musste es schnell gehen – auch um den Preis, dass ich jede Menge Holz an Stellen würde einsetzen müssen, wo eigentlich ein Hühnerhaus stehen sollte. Doch es half nichts, es musste jetzt etwas getan werden.

Die letzten Nägel und Schrauben wurden bei strömenden Regen eingebracht. Und trotz meiner schlechten Erfahrungen mit Baumarkt-Qualität muss ich sagen: das 20m Malervlies führte immerhin dazu, dass ich eine provisorische Dachabdeckung bekam, so dass die Tiere wenigstens etwas Wetterschutz hatten. Da wurde ich wirklich mal positiv überrascht – das wars dann aber auch schon. Den übrigen Tag habe ich mich jedenfalls darüber ärgern können, dass jeder Balken, den ich verbaute, in Bananenform ausgeliefert worden war.

Marderjagd

Nachdem nun die Hühner und Enten in Sicherheit waren, stellte sich eine naheliegende Frage: wie bekomme ich den Todes-Nager vom Haus weg? Dazu reichte meine „Peer-Group“ verschiedene Vorschläge ein, von denen einige durchaus fantasievoll und ganz im Sinne des Alten Testaments waren. Am Ende setzten wir aber auf eine andere – politisch korrekte – Lösung.

Während die Falle darauf wartete, dass sich mal ein Marder in sie verirren sollte, ging das Leben weiter (außer für Susi und Wina). Klar war, dass jetzt die Frage des Hühnerhauses geklärt werden musste, denn der über Nacht fertiggestellte Auslauf war bestenfalls provisorisch sicher. Am 29. Juli wurden die Grundlagen für die neue Farm geschaffen – das Altgehege wurde entfernt.

Drei Tage war die Lebendfalle erfolglos im Einsatz, als mich der Gedanke beschlich, der Marder würde mir auf der Nase herumtanzen.

Was nun folgte, war in jeder Beziehung überraschend: die Falle schnappte zu. Ja, tatsächlich! Die Familie prüfte sich, ob sie dem unerwünschten Nagetier seine Tat tatsächlich vergeben wollte… und rückte schließlich aus, um es im Wald in die Freiheit zu entlassen.

Da die Falle insgesamt recht schwer ist, fiel es uns zunächst nicht auf, dass da entweder ein Marder mit Adipositas gefangen wurde oder aber eben „kein Marder“ in der Falle saß. Bei der Freisetzung hingegen wurde schnell klar, dass ein Waschbär seinen Weg in die Falle gefunden hatte. Der pelzige Kerl hatte sich in die Falle hineingedrückt um den angenagelten Köder zu bekommen… was ihm ja schließlich auch gelang.

Nachdem nun zumindest „irgendetwas“ sinnvolles mit der Falle stattgefunden hatte, widmeten wir uns wieder dem Thema Hühnerhaus.

Das Haus wird gebaut

Mein lieber Vater (kurz: Vatter), der sich bereits in der Rolle des Hühnerhausarchitekten fand, hatte erkannt, dass meine handwerklichen Künste sicherlich für eine quadratische Bretterbude ausreichen würden, aber sicherlich nicht für ein halbwegs ansehnliches Bauwerk, dem man sowohl Nachbarschafts- als auch Wettertauglichkeit hätte bescheinigen können. Er griff daher selbst zu Hammer und Säge, und zimmerte Fertig-Elemente in der heimischen Hobby-Garage zusammen.

Anekdote am Rande: natürlich prüften wir auch mal, ob man so ein Hühnerhaus nicht fix und fertig bei Amazon bestellen könnte. Kann man. Aber: selbst beim Chicken Imperial Hühnerstall, der ja zumindest vom Wort her eine gewisse Mächtigkeit suggeriert, waren die Abmaße geradezu winzig. Mit so einem Hühnerstall kann man vielleicht den Vorgarten in einer Reihenhaussiedlung bestücken, am Ortsrand auf dem Land muss es aber schon etwas robuster sein.

Ich kehrte also für ein paar Tage zurück in die alte Heimat und unterstützte mit Hilfstätigkeiten.

Wer hätte es gedacht: auch am elterlichen Haus verließ mich mein Wetterglück nicht.

Am Ende meines Heimaturlaubs waren die wichtigsten Elemente des Hühnerhauses tatsächlich fertig – und mussten nun nur noch in den Süden transportiert werden. Zum Glück hatte der Schwiegervater noch einen richtigen Anhänger bei sich herumstehen…

Der Transport glückte – und schon kurz darauf sollte Richtfest gefeiert werden. Dazu brauchte es – mal wieder – Material vom Baustoffhändler. Natürlich zur Anlieferung, ich hatte ja gelernt.

Als das Material am Tag des Aufbaus nicht beikam, lies ich mein Auge argwönisch die Straße hoch und runter wandern… und entdeckte eine Überraschung:

Zur Verteidigung des Baustoffhändlers muss ich dazu sagen, dass zu dieser Zeit Grenzegang in Wetter ist. Das ist so eine Art mehrtägiger Ausnahmezustand, der alle 7 Jahre ausgerufen wird.

Da Verspätungen auf der Hühnerfarm eher die Regel als die Ausnahme sind, regte ich mich darüber auch nicht weiter auf.

Betonfundament, Leerrohre, Fenster, Dampfsperre, Wasserablauf… jede Menge Details raubten Zeit und Nerven. Aber dank tatkräftiger väterlicher Steuerung nahm das Haus auf einmal tatsächlich Gestalt an.

Der Urlaub war rum und das Gröbste schien geschafft (klare Fehleinschätzung!).

Pareto schlägt zu – die letzten 20% kosten die meiste Zeit

Das Haus stand jetzt zwar schon, war aber noch nicht bezugsfertig. Da die tierischen Mitbewohner offenbar immer noch Sorge um die physische Sicherheit im Auslauf hatten, gesellte sich jetzt auch eine der Enten mit auf die Hühnerstange.

Und während die Hühner und Enten geduldig auf mich warteten, widmete ich mich wieder meinem liebsten Hobby: Streicharbeiten. Diesmal fürs Dach.

Als im Hause Ditze der Plan aufkam, ein Hühnerhaus zu bauen, ergriff die Damenwelt das Wort und sinnierte darüber, ob man in so einem Haus nicht auch Katzen unterbringen könnte. Katze-n(!). Natürlich nicht einfach nur Katzen: eine Futterstation, Betten, Teppichboden und eine chipgesteuerte Katzenklappe sollte natürlich auch rein. Kein Problem, das machen wir hier ja nebenbei.

Als dann noch die Nachbarin der Schwiegermutter acht kleine Katzen zu vergeben hatte, war klar, das der Kelch bei uns halten würde. Tat er auch. Willkommen Sternchen und Pünktchen.

Wer etwas mit kleinen Katzen anfängt, muss natürlich auch Fotos machen.

…und wie nicht anders zu erwarten, wenn ich ein Hühnerhaus mit provisorischer Dachabdeckung im Garten stehen habe:

Rund drei Monate sind seit dem Start der Hühnerfarm vergangen – und so langsam setzt die Integration ins Dorfleben ein.

Während die Hühner und Enten sich eher ruhig verhalten, sorgen die Katzen für Sympathiepunkte.

Ende August wirkten die Hühner und Enten so gefestigt in ihrem Revier, dass wir damit begannen, sie auch mal frei laufen zu lassen.

Dabei zeigte sich, dass so ein paar Schnabeltiere im Garten durchaus auch Vorteile haben.

Anfang September gab „Opa“ Bernd nochmal Gas – und in einem weiteren Tageseinsatz wurde das Dach zur Vollendung gebracht. Besten Dank, lieber Vatter!

Das Haus war zwar fertig, aber der Innenausbau noch nicht ganz abgeschlossen. Und zu allem Überfluss wurde es kälter.

Es bedurfte eines weiteren Tageseinsatzes (der traditionell bis spät in den Abend reicht), ehe die Hühnerfarm dann endlich für den Publikumsverkehr freigegeben werden konnte.

Blöd nur, wenn du die Hühnerklappe erst so spät öffnest, dass alle Tiere schon schlafen.

Nacharbeiten

Wer jetzt glaubt, mit der Freigabe des Hühnerhauses ist doch alles gut, der irrt.

Jetzt stand die Behebung der ganzen Provisorien an, die sich im Rahmen der letzten Monate angesammelt hatten.

Und immerhin: je besser Hühnerhaus und Auslauf harmonierten, desto kooperativer wurde auch das Federvieh. Das Happy End schien zum Greifen nahe.

Es gibt immer was zu tun… ?!

Als nahezu alles perfekt geregelt war, wurde im familiären Umfeld darauf hingewiesen, dass die wetterfesten Planen auf dem Auslauf ja ebenfalls noch als Provisorium zu werten seien und das so doch nicht bleiben könne…

Es ist abzusehen, dass die Errichtung eines weiteren Daches sicherlich noch ein paar Tweets füllen wird. Doch bis dahin soll die Geschichte rund um die #HühnerfarmBER hier vorerst enden.

Und die Moral von der Geschicht? Überlegt euch gut, ob ihr Pfingstsamstagsabends die Haustür aufmacht 🙂

Update 12/2016

Wie das Blechdach auf die Hühnerfarm kam und was sonst noch passierte, lest ihr hier.


5 Kommentare zu “Wie ich über Nacht zum Hühnerbesitzer wurde

  1. TWO-THUMBS-UP !!!

    Klasse Erzählung – da jucken jedem Gartenbesitzer doch die Finger ;))

    Nach dieser umfassenden Arbeit bleibt nur zu hoffen, daß die HühnerfarmBER nicht den Weg alles irdischen gehen muß und ihrem großen ‚Vorbild‘ NICHT nachfolgt. Hier droht die CDU ja schon mit gar Schrecklichem :
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/flughafen-berlin-brandenburg-ber-neubau-womoeglich-guenstiger-a-1054959.html

    In diesem Sinne – weiterhin frohes Gackern und viel Erfolg an der Hühnerfront !! ;-D

  2. Pingback: Mellnau Newsletter Oktober 2015 | Andreas W. Ditze

  3. Wie cool ist das denn.. ich dachte zuerst, dass Du Deine Frauen als Hühnerfarm benennst (mein Papa hat auch manchmal Hühnerstall zu uns drei Frauen gesagt).
    Ich hab laut gelacht bei dem Bericht, echt cool!
    Viele liebe Grüße!!!

  4. Pingback: Ditzes Hühnerfarm 2015/2016 – Andreas W. Ditze

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